Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Tirol

Großer Anstieg bei Alpintoten in Tirol

Zwei Deutsche (27, 68) verunglückten am Donnerstag in Tirol tödlich. 28 Menschen starben diesen Sommer bislang in den Bergen – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die meisten tödlichen Unfälle (zwölf) passierten bei Wanderungen.

© Symbolfoto: ZOOM.TIROLDie meisten tödlichen Unfälle (zwölf) passierten bei Wanderungen.



Von Benedikt Mair

Innsbruck, Scharnitz – Bei Wanderungen in Innsbruck und Scharnitz stürzten am Donnerstag zwei Touristen aus Deutschland in den Tod. Dadurch steigt die Zahl der Menschen, die im Sommer bisher bei Unfällen im alpinen Gelände ums Leben kamen auf 28 an. Im Jahr 2018 gab es im Vergleichszeitraum 24 Tote – das sind 16 Prozent weniger als heuer.

Am Dienstag starteten zwei junge Frauen aus Deutschland in Reith bei Seefeld eine Hüttentour im Karwendel. Sie hätte mehrere Tage dauern sollen. Donnerstagfrüh brachen die beiden 27-Jährigen vom Solsteinhaus in Richtung Pfeishütte auf. Zur Mittagszeit überquerten die Bergsteigerinnen den Frau-Hitt-Sattel und wollten weiter in Richtung Seegrube gehen. Auf einem Steig im Süden des Gipfels der Frau Hitt kam es dann gegen 14.10 Uhr zu dem Unglück – eine der 27-Jährigen stürzte rund 50 Meter über felsiges, teilweise senkrecht abfallendes Gelände ab. Ihre Bekannte setzte den Notruf ab, die Einsatzkräfte konnten aber nur noch den Tod feststellen. Der Leichnam wurde mit dem Polizeihubschrauber geborgen.

Fast zur selben Zeit stürzte ein 68 Jahre alter Deutscher in Scharnitz in den Tod. Als Teil einer dreiköpfigen Wandergruppe war der Pensionist am frühen Morgen zu einer Tour über den Mittenwalder Höhenweg aufgebrochen. Gegen 14 Uhr stiegen der 68-Jährige und seine 46 und 70 Jahre alten Begleiter von der mittleren Linderspitze über einen Klettersteig in Richtung des so genannten Gatterls ab. Auf dem normalen Weg angekommen, verlor der Mann aus bisher unbekannter Ursache das Gleichgewicht und stürzte ab. Er überschlug sich mehrmals, fiel dann über eine Felskante und blieb nach rund 150 Metern in felsigem Gelände liegen. Der Deutsche konnte von der Besatzung des Polizeihubschraubers nur noch tot geborgen werden.

Vom 1. Juni diesen Jahres bis inklusive gestern Nachmittag waren die beiden Deutschen in Tirol die Alpintoten Nummer 27 und 28, wie Franz Markart von der Tiroler Alpinpolizei aus der internen Statistik zitiert. „Im Vorjahr waren im selben Zeitraum 24 Menschen ums Leben gekommen. Es gibt also ein Plus von 16 Prozent zu verzeichnen“, sagt er.

Das Gros der tödlichen Unfälle, die in diesem Sommer von der Alpinpolizei verzeichnet wurden, passierte beim Wandern, nämlich zwölf. Fünf Menschen starben beim Klettern, davon vier bei Unfällen im Klettersteig. „Vier Tote gab es bei Flugunglücken. Dazu zählt auch der Absturz eines Kleinflugzeuges in Leutasch Mitte Juli, bei dem drei Deutsche ums Lebens kamen“, sagt Markart. Es gab außerdem zwei tödliche Forst-, einen tödlichen Mountainbike- und einen tödlichen Verkehrsunfall. Drei Unfälle mit Todesfolge passierten zwar in alpinem Gelände und fallen deshalb in diese Statistik, konnten von der Polizei aber keiner Kategorie zugeordnet werden. Österreichweit starben zwischen 1. Juni und gestern 77 Menschen – ein Plus von 28 Prozent zum Vorjahr.

„Die Zahl der Unfälle ist hingegen leicht zurückgegangen. Während wir im Jahr 2018 von Anfang Juni bis zum 9. August 800 Unfälle registrierten, waren es heuer 792“, berichtet Markart. Der Alpinpolizist glaubt, dass sich bis zum Ende der Saison die Anzahl der Todesopfer in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs bewegen wird: „Am Ende des Sommers werden es wohl ähnlich viele Tote wie 2018 sein. Die Wochenenden mit schönem Wetter und vielen Unglücken könnten im Vorjahr erst später gekommen sein. Für eine endgültige Bilanz ist es zu früh.“

Einen Anstieg bei den Einsätzen beobachtet hingegen Hermann Spiegl, Leiter der Tiroler Bergrettung. „Von Jahr zu Jahr werden sie immer mehr, besonders bei Wanderern und Radfahrern.“ Aus der Polizeistatistik geht hervor, dass neun der 28 Toten an Herz-Kreislauf-Versagen starben. Spiegl sieht darin keinen Hinweis darauf, dass zu viele ältere Menschen in die Berge gehen, sondern eher, „dass viele Wanderer zu wenig vorbereitet, zu wenig fit sind.“ Wenn es dann z. B. zu heiß sei, dann könne es sehr schnell zu Komplikationen kommen.




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