Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.08.2019


Bezirk Kufstein

Das Feuer spricht seine eigene Sprache: Bezirksbrandermittler erzählt

Als Bezirksbrandermittler der Polizei Kufstein untersucht Roland Egger seit über 20 Jahren Brandstellen. Die Flammen brennen sich nicht nur am Einsatzort ein, sie hinterlassen auch ihre Spuren beim Menschen.

Seit mehr als 20 Jahren ist Roland Egger Bezirksbrandermittler in Kufstein. Seit seinem 15. Lebensjahr unterstützt er außerdem die Langkampfener Feuerwehr als MItglied.

© HrdinaSeit mehr als 20 Jahren ist Roland Egger Bezirksbrandermittler in Kufstein. Seit seinem 15. Lebensjahr unterstützt er außerdem die Langkampfener Feuerwehr als MItglied.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Der Urlaub kann noch so entspannend sein, auf eines wird Roland Egger immer achten: Wo sind die Notausgänge im Hotel, wie sind die Treppenhäuser konzipiert, wo hängen Feuerlöscher? Dies beruht weniger auf neurotischen Veranlagungen des Langkampfeners als vielmehr auf der Tatsache, dass ihn seine Berufserfahrung auch im privaten Alltag beeinflusst. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Egger als Bezirksbrandermittler bei der Polizei in Kufstein im Einsatz, seit seinem 15. Lebensjahr außerdem Mitglied bei der Feuerwehr in Langkampfen. Und damit ist der heute 58-Jährige buchstäblich überall dort, „wo der Rauch aufgeht“.

Als Bediensteter des Kriminaldiensts ist es Eggers Aufgabe, die „Sprache des Feuers“ zu deuten, immer dann, „wenn eine vorsätzliche oder fahrlässige Herbeiführung ebendieses im Raum steht“, erklärt der Tiroler.

DIe Feuerwehr beim EInsatz eines Bauernhausbrandes in Kufstein.
DIe Feuerwehr beim EInsatz eines Bauernhausbrandes in Kufstein.
- zoom.tirol

Der Brandursache rückt Egger dabei nach dem Ausschlussprinzip näher. Auf der Checkliste stehen neben Stromquellen, Reibung, Blitzschlag und Selbstentzündung auch chemische Reaktionen. „Wenn etwa ein Holzstadl brennt, schaue ich mir an, ob es dort überhaupt Strom gibt. Man schaut auch, ob es ein Unwetter gab, wegen möglicher Blitzschläge, und freilich was dort gelagert war, ob es chemische Stoffe waren“, gibt der Polizist Einblicke in seine Arbeitsweise. Auch die Spuren, die das Feuer hinterlässt, geben Aufschluss darüber, aus welcher Richtung sich die Flammen ausgebreitet haben. „Schutt und Asche konservieren wertvolle Informationen“, meint Egger, der in erster Linie Beweise sichert. Deren Analyse und Interpretation übernehmen dann die Kollegen vom Kriminalamt.

Die Spurensuche in Ruß und Asche beginnt für ihn dann, wenn die Brandstelle erkaltet ist. Doch die Gefahren lauern auch dort. Wie lange hält ein angebrannter Holzbalken, wann gibt ein Stahlrohr nach und welche giftigen Stoffe befinden sich in der Luft? In Eggers Kopf geht es rund, wenn er einen Einsatzort betritt. „Wenn ich mir nicht sicher bin, gehe ich nicht hinein“, sagt der zweifache Vater. „Je älter man wird, desto vorsichtiger und ruhiger wird man.“

Neben dem physikalischen Fachwissen („Feuer brennt von unten nach oben“) mache sich hier auch bezahlt, dass der Langkampfener vor seinem Wechsel zur Polizei als Elektriker auf vielen Baustellen unterwegs war, von unterschiedlichen Materialien daher Ahnung habe. „Natürlich kann es schon mal vorkommen, dass ein Feuer, das eigentlich als gelöscht galt, wieder hinter dir aufflammt.“

Die Brandermittler Josef Rohregger (l.) und Roland Egger suchen inmitten der ausgebrannten Wracks nach Spuren zur Brandursache.
Die Brandermittler Josef Rohregger (l.) und Roland Egger suchen inmitten der ausgebrannten Wracks nach Spuren zur Brandursache.
- Hrdina

Feuerfeste Jacke und Schuhe, Handschuhe und ein Helm gehören zur Grundausstattung. Eine Atemschutzmaske hält gesundheitsschädigende Schwebstoffe ab. „Heutzutage gibt es viele verschiedene Kunststoffe, die die Temperatur in den Räumen nach oben treiben. Das macht es schwerer, Brandherde zu lokalisieren.“

Wie berechenbar ist Feuer überhaupt? „Für einen Brand müssen drei Komponenten erfüllt sein: Es braucht einen brennbaren Stoff, Energie und Sauerstoff. Wenn man das weiß, kann man die Situation einschätzen.“ Körperliche und kognitive Fitness sind Voraussetzung für den Job, das beinhaltet auch zwischenmenschliche Aspekte. Brandopfer und die Überbringung von Todesnachrichten an die Verbliebenen sind Teil der Arbeit. „Diese Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf. Sie werden weniger, aber sie kommen immer wieder.“ Gespräche mit Kollegen helfen. Und Eggers persönliche Strategie: „Ich komme und gehe im Privatgewand. Das gibt mir das Gefühl, mit der Berufskleidung auch das Negative zurückzulassen.“

Roland Egger auf Spurensuche in den Überresten eines abgebrannten Wohnmobils in Thiersee.
Roland Egger auf Spurensuche in den Überresten eines abgebrannten Wohnmobils in Thiersee.
- zoom.tirol



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