Letztes Update am So, 25.08.2019 07:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Betrunken hinter dem Steuer: Schwere Unfälle häufen sich

Folgen besonders schwerwiegend: Der ÖAMTC fordert vermehrte Aufklärung über die Risiken des promilleträchtigen Leichtsinns.

(Symbolfoto)

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Innsbruck – Alkohol am Steuer führte zuletzt in Tirol immer wieder zu schweren Unfällen, in diesem Jahr krachte es schon 150-mal, weil Lenker betrunken losgefahren waren. Oberst Günther Salzmann von der Landesverkehrsabteilung der Polizei Tirol berichtet von einer Häufung in den vergangenen Wochen, bis Jahresende sollte sich die Zahl seiner Meinung nach aber wieder auf das Niveau der letzten Jahre von durchschnittlich 245 Unfällen einpendeln.

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Laut ÖAMTC sind etwa 6,2 Prozent aller Unfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Dass bei 8,1 Prozent der Vorfälle Todesopfer zu beklagen sind, deutet laut Felix Etl von der Abteilung für Verkehrstechnik und Unfallforschung darauf hin, „dass die Folgen von Unfällen mit Alkohol tendenziell schwerwiegender sind als bei anderen“. Die Anzahl sei in den vergangenen Jahren nicht nur in Tirol, sondern österreichweit in etwa gleich geblieben, „auch die Zahl der Getöteten ist leider unverändert hoch. Es bedarf einer weiteren Bewusstseinsbildung, wie gefährlich es ist, sich betrunken hinters Steuer zu setzen.“ Die Kontrollen seien bereits verschärft worden, der Strafrahmen sehr hoch, man müsse vermehrt über Risiken aufklären. „Und auch wenn nichts passiert, kann es sehr teuer werden!“

Drastisch sind die Folgen nach einem Unfall, denn die Haftpflichtversicherung könne laut ÖAMTC, wenn der Verursacher mehr als 0,8 Promille hat, bis zu 11.000 Euro auf dem Regressweg zurückfordern. Rechtsschutz- und Kaskoversicherung seien überhaupt leistungsfrei. (ms)

Rechtsfolgen: So teuer kommt Alkohol am Steuer

0,5%: Verwaltungsstrafe von 300 bis 3700 €. Wer das erste Mal alkoholisiert am Steuer erwischt wird, behält den Führerschein, muss allerdings mit einer Vormerkung im Führerscheinregister rechnen.

0,8%: Mindestens 800 € Verwaltungsstrafe, Höchststrafe ebenfalls 3700 €. Bei der ersten Alkofahrt (ohne Unfall) ist der Führerschein für 1 Monat weg, im Wiederholungsfall mindestens 3 Monate. Das nötige Verkehrscoaching kostet 100 €.

1,2%: Zwischen 1200 und 4400 € Strafe, der Führerschein ist für mindestens 4 Monate weg. Die Nachschulung bedeutet zusätzliche Kosten.

1,6%: Strafen von 1600 bis 5900 € und Führerscheinentzug für mindestens 6 Monate. Dem Alkolenker blühen eine Nachschulung (rund 500 €), ein Termin beim Amtsarzt und eine verkehrspsychologische Untersuchung (363 €).

Chronologie einer Unfallserie

Statistik: 2018 wurden in Tirol bei 249 Unfällen mit Alkohol 293 Personen verletzt, erstmals seit Jahren gab es keine Toten. 2017: 261 Unfälle mit 324 Verletzten (7 Tote), 2016: 245 Unfälle mit 314 Verletzten (4 Tote), 2015: 242 Unfälle, 310 Verletzte (6 Tote), 2014: 230 Unfälle, 288 Verletzte (2 Tote). Zehn Jahre davor (2008): 282 Unfälle mit 384 Verletzten (9 Tote) und vor 20 Jahren (1998): 218 Unfälle, 302 Verletzte (9 Tote).

22. August 2019: Eine Frau mit 1 Promille Alkohol im Blut gerät in Ramsau auf die Gegenfahrbahn und stößt frontal mit einem Klein-Lkw zusammen. Sie wird leicht verletzt, ihr Kind bleibt unverletzt.

19. August 2019: Ein alkoholisierter Pkw-Lenker gerät auf der Fernpassstraße bei Reutte auf die Gegenfahrbahn, prallt dort gegen ein Wohnwagengespann und einen Pkw. Zwei Personen werden verletzt.

15. August: Ein betrunkener Pkw-Fahrer rammt am Zirler Berg ein entgegenkommendes Taxi – fünf Verletzte.

14. August: Nach einem Radunfall wird eine betrunkene Frau ins Krankenhaus Zams gebracht, sie stiehlt den Transporter eines Mitarbeiters und rast davon, verliert die Kontrolle, das Gefährt überschlägt sich und landet auf dem Dach. Die Frau wird verletzt.

12. August: In Innsbruck gerät ein Pkw-Lenker mit 1,5 Promille auf die Gegenfahrbahn und prallt gegen einen entgegenkommenden Pkw, dessen Fahrer wird verletzt.

10. August: In Innsbruck kommt eine junge Frau mit ihrem Pkw zu weit nach rechts und stößt gegen einen geparkten Pkw. Zwei weitere Autos werden um rund zehn Meter verschoben. Die leicht verletzte Lenkerin hat 0,68 Promille.

9. August: In Gries im Sellrain gerät das Fahrzeug eines stark alkoholisierten 19-Jährigen außer Kontrolle, die Fahrt endet in einem Feld. Der Lenker wird unbestimmten Grades verletzt, sein Beifahrer hat Glück und bleibt unverletzt.

3. August: Beamte der Autobahnpolizeiinspektion Wiesing stoppen auf der A12 einen Geisterfahrer mit 1,46 Promille und können so Schlimmeres verhindern.