Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.09.2019


Tirol

Hohes Unfallrisiko: Gefährliche Arbeiten im Wald und am Bauernhof

Nach dem tödlichen Forstunfall am Montag in Matrei in Osttirol haben Land und Gemeinde der Familie ihre Unterstützung zugesagt.

Stämme und Äste stehen nach Windwürfen oft unter Spannung – eine Gefahr für den Forstarbeiter.

© Getty Images/iStockphotoStämme und Äste stehen nach Windwürfen oft unter Spannung – eine Gefahr für den Forstarbeiter.



Matrei i. O., Innsbruck – Am Tag nach dem tragischen Forstunfall in Matrei in Osttirol, bei dem am Montag ein 48-jähriger Landwirt getötet wurde, herrscht Betroffenheit in der Gemeinde. Wie berichtet, war der Mann alleine im Wald und wollte gerade einen Baum umsägen, als sich ein verkeilter Stamm löste und den Mann einklemmte. Die Verletzungen, die der Bauer dadurch erlitt, waren tödlich. Gefunden wurde er vom ältesten Sohn, der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Der Landwirt, der einen Bergbauernhof in Matrei bewirtschaftete, hinterlässt eine Frau und vier Kinder, das jüngste erst im Volksschulalter. Die Gemeinde hat der Familie sofort ihre Hilfe zugesagt, erklärt der Matreier Bürgermeister Andreas Köll. „Und Landeshauptmann Günther Platter hat gleich, als er von dem Unglück hörte, angeboten, die Familie aus seinem Soforthilfefonds zu unterstützen“, informiert Köll.

Waldarbeiten in einem Windwurfgebiet gehören zu den gefährlichsten Tätigkeiten im Forstwesen, heißt es von Seiten der Polizei. Die umgestürzten Bäume würden oft unter Spannung stehen, die sich beim Umschneiden plötzlich löse. Das könne völlig unberechenbare Folgen haben.

Der jüngste Unglück reiht sich auf besonders tragische Weise in eine Serie von Unfällen in der Land- und Forstwirtschaft ein, die sich bisher heuer in Tirol ereignet haben. Erst am Sonntag waren in Thaur ein Onkel und sein Neffe unter eine landwirtschaftliche Zugmaschine geraten und eingeklemmt worden. Während die beiden schwer verletzt wurden, kam Mitte August ein 72-jähriger Landwirt mit seinem Traktor in Tulfes von einem Forstweg ab und verunglückte tödlich.

Grundsätzlich könne man sagen, dass Bauern bei ihren land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten einem größeren Unfallrisiko ausgesetzt sind als andere Berufsgruppen. Das erklärt Gerhard Reeh, Abteilungsleiter für Sicherheit und Gesundheit bei der Sozialversicherung der Bauern (SVB). „Die Arbeit in der Landwirtschaft ist sehr vielfältig. Man hat mit den unterschiedlichsten Maschinen, mit Tieren und einem wechselnden Arbeitsumfeld zu tun“, sagt Reeh. Statistisch gesehen ereignet sich in Österreich rund ein Viertel der Unfälle in der Landwirtschaft in den Stallungen, jeweils ein Fünftel im freien Hofraum und im Forstbereich. Die drei häufigsten Unfallursachen sind Sturz und Fall, Unfälle bei der Forstarbeit sowie Unfälle mit dem Traktor bzw. Fahrzeugabstürze.

Laut Unfallstatistik der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) haben sich 2018 in Tirol 103 Unfälle bei forstwirtschaftlichen Arbeiten ereignet, zwei mit tödlichem Ausgang. Im Bereich der Landwirtschaft waren es laut SVB-Daten 296 Arbeitsunfälle, bei vier davon starben die Unfallopfer. „Auffällig bei den Forstunfällen ist die Tatsache, dass vor allem ältere Männer betroffen sind“, weiß Gerhard Reeh. Das liege daran, dass die Personen der körperlich fordernden Arbeit oft nicht mehr gewachsen sind. Viele betreiben die forstwirtschaftlichen Tätigkeiten auch erst in der Pension oder neben ihrem Brotberuf und würden nicht über das nötige Wissen oder die passende Ausrüstung verfügen.

Über die Hälfte der Forstunfälle passiert bei Arbeiten mit der Motorsäge, bei 50 Prozent ist Zusammenstürzen und Brechen bzw. der Kontrollverlust von Baum oder Ast Unfallursache. Ein Viertel der Unfälle passiert, weil die Person bei der Waldarbeit stürzt oder ausrutscht. (co, np)