Letztes Update am Do, 14.11.2019 10:55

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Erhöhte Unfallgefahr bei der Waldarbeit durch mehr Schadholz

Jedes Jahr müssen rund 1500 Personen aufgrund von Unfällen bei privaten Waldarbeiten im Krankenhaus behandelt werden, berichtete das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV).

(Symbolfoto)

© Foto TT / Rudy De Moor(Symbolfoto)



Traunkirchen/Wien – Stürme, Schnee und Borkenkäfer – von 2017 auf 2018 sind die Schadholzmengen in den heimischen Wäldern nach Angaben des Bundesforschungszentrum für Wald um ein Drittel angestiegen. Dadurch erhöhte sich auch die Unfallgefahr. Jedes Jahr müssen rund 1500 Personen aufgrund von Unfällen bei privaten Waldarbeiten im Krankenhaus behandelt werden, berichtete das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV).

Bei rund 40 Prozent der Unfälle müssen die Verletzten stationär aufgenommen werden, zeigt eine Auswertung der Datenbank des KFV. Die Hälfte der Personen, die sich bei der privaten Waldarbeit verletzen, sind Männer ab 60 Jahre. Beinahe jeder fünfte Unfall passiert im November.

Schadholzbeseitigung als Herausforderung

„Große Teile des österreichischen Waldes sind in Privatbesitz und werden kleinflächig bewirtschaftet. Gerade für private Waldarbeiter stellt die Aufarbeitung von Schadholz eine besondere Herausforderung dar und sorgt entsprechend auch für ein erhöhtes Unfallrisiko“, sagte Peter Mayer, Leiter des Bundesforschungszentrum für Wald. „Die Aufarbeitung von Sturmschäden erfordert hohe Fachkenntnis und Erfahrung hinsichtlich der Schnitttechnik. Verspannte Hölzer und umkippende Wurzelkörper können bei falscher Schnittführung lebensgefährlich werden. Ungeübte sollten daher die Aufarbeitung von Sturmschäden Spezialisten überlassen.“

Eine aktuelle Befragung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit unter rund 150 privaten Waldarbeitern zeigt, dass den Personen das hohe Risiko im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Schadholz bewusst ist: 97 Prozent schätzen die Aufarbeitung von Sturmschäden als (sehr) gefährlich ein. Vier von zehn Befragten gaben zudem an, bereits mindestens einen Beinahe-Unfall erlebt zu haben. Und: Waldarbeit ist keine reine Männerdomäne. Immerhin jede zehnte befragte Person war weiblich und gab an, selbst Waldarbeiten durchzuführen. Acht von zehn Personen unter 60 Jahren tragen bei der Ausübung eine Schutzausrüstung, bei den über 60-Jährigen liegt die Quote lediglich bei rund 60 Prozent. Auf Schutzhandschuhe wird gemäß der KFV-Befragung besonders häufig verzichtet: 34 Prozent gaben an, bei der Waldarbeit nur selten bis nie Schutzhandschuhe zu tragen. Begründet wurde der Verzicht häufig mit Gründen der Praktikabilität, etwa bei Hitze.

„Angemessene Schutzausrüstung – von einer guten Schnittschutzhose über einen Helm bis hin zu passenden Schutzhandschuhen – ist auch in der privaten Waldarbeit unverzichtbar. Aus Expertengesprächen mit Unfallchirurgen wissen wir, dass schwere Schädelverletzungen in etwa der Hälfte der Fälle eine bleibende Beeinträchtigung darstellen. Derartige Unfälle können mit der richtigen Schutzausrüstung deutlich vermindert oder sogar verhindert werden“, sagte Othmar Thann, Direktor des KFV. (APA)