Letztes Update am Do, 14.11.2019 16:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Niederösterreich

Jagdkommando-Soldat in Wiener Neustadt von Militärhunden getötet

Die Belgischen Schäferhunde fielen den 31-jährigen Soldaten in der Flugfeld-Kaserne an und fügten ihm tödliche Bisswunden zu. Zeugen des Vorfalls gab es keine, das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.

Der tödliche Hundeangriff ereignete sich in der Flugfeld-Kaserne nördlich von Wiener Neustadt.

© APADer tödliche Hundeangriff ereignete sich in der Flugfeld-Kaserne nördlich von Wiener Neustadt.



Wiener Neustadt – In der Flugfeld-Kaserne in Wiener Neustadt ist ein Soldat von zwei Hunden angefallen und getötet worden. Der 31-Jährige wurde am Donnerstag kurz vor 2.00 Uhr vor dem Zwinger tot aufgefunden. Warum ihn die Belgischen Schäferhunde attackiert hatten, war unklar. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. Zeugen des Vorfalls gab es keine.

Der Oberwachtmeister des Jagdkommandos aus dem Bezirk Mödling war an diesem Abend für Betreuung, Auslauf und Fütterung der Tiere zuständig. Er war gegen 16.00 Uhr zur Zwingeranlage aufgebrochen, um die fünf Hunde in der Kaserne zu betreuen. Beim Jagdkommando hat zwar jeder Hundeführer einen eigenen Hund, allerdings arbeitet jeder Militärhundeführer grundsätzlich mit jedem Tier. Der Diensthund des 31-Jährigen blieb in seinem Fahrzeug zurück.

„Erfahrener, besonnener Kollege“

Der Großteil der Jagdkommando-Soldaten der Flugfeld-Kaserne befand sich auf einer Übung in der Steiermark, sagte Bundesheersprecher Michael Bauer der APA. In der Nacht bemerkte der diensthabende Offizier dann die zwei freilaufenden Belgischen Schäferhunde. Ein Tier ist bereits fertig ausgebildet, das zweite erst rund sechs Monate alt, erläuterte der Sprecher. Der Offizier weckte einen Hundeführer auf, der die beiden Tiere wieder einsperrte und den leblosen Kollegen vor dem Zwinger fand. Dieser hatte massive Bisswunden erlitten.

Der Oberwachtmeister war seit 2005 beim Bundesheer und war seit 2017 als Hundeführer tätig. Er galt als ein „sehr erfahrener, besonnener und überlegter Kollege“, sagte Bauer.

LKA übernahm Ermittlungen

Das Landeskriminalamt Niederösterreich übernahm die Ermittlungen, am Donnerstag sicherte die Tatortgruppe Spuren. Fremdverschulden einer Person wurde nicht festgestellt, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager. Ein Abschlussbericht geht an die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Diese ordnete eine Obduktion zur Klärung der Todesursache an, sagte Sprecher Erich Habitzl. Außerdem wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der grob fahrlässigen Tötung gegen unbekannt eingeleitet. Die Umstände, etwa wie die Hunde verwahrt wurden, und der Hergang des Unfalls sollen von den Ermittlern geklärt werden. Anhand der Erhebungsergebnisse werde sich zeigen, ob sich ein näherer Verdacht gegen einen unbekannten Täter ergebe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Übung in der Steiermark wurde abgebrochen, der Heerespsychologische Dienst eingeschaltet. Dieser betreut die Angehörigen und die Soldaten.

Erster Vorfall dieser Art

Die beiden Belgischen Schäferhunde waren klassische Zugriffshunde. „Ihre Aufgabe ist es, den Angreifer unschädlich zu machen“, erläuterte Bauer. Die Tiere des Jagdkommandos sind so ausgebildet, dass sie beispielsweise bei der Erstürmung eines Hauses den Feind ausschalten. „Läuft der Angreifer davon, stellt ihn der Hund. Wenn sich der Angreifer nicht mehr wehrt, hört der Hund auf“, sagte der Sprecher.

Dass die Diensthunde Soldaten attackiert haben, kam bisher nicht vor. „Es ist noch niemand gröber verletzt worden“, so Bauer. Ob die beiden Schäferhunde schon einmal aufgefallen sind, werde jetzt von der Unfallkommission des Bundesheeres untersucht. Diese wurde am Donnerstag eingerichtet und unter anderem mit einem Veterinärmediziner, einem Arzt und einem Juristen besetzt. Erste Befragungen wurden bereits durchgeführt.

Bundesheer drückte tiefe Anteilnahme aus

Das Bundesheer bekundete den Hinterbliebenen tiefe Anteilnahme. „Mein tiefes Mitgefühl gehört der Familie und den Angehörigen des getöteten Oberwachtmeisters sowie den Kameradinnen und Kameraden des Österreichischen Bundesheeres“, postete Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Facebook und Twitter. Verteidigungsminister Thomas Starlinger zeigte sich tief betroffen: „Heute Nacht bin ich vom entsetzlichen Unfall, bei dem ein junger Soldat gestorben ist, informiert worden. Den Angehörigen des Verstorbenen möchte ich mein aufrichtiges Beileid und tiefes Mitgefühl ausdrücken.“

Derzeit verfügt das Österreichische Bundesheer über 70 Militärhunde. Davon sind 41 Rottweiler, 15 Belgische und fünf Deutsche Schäferhunde sowie neun Labradore. Sie alle werden im Militärhundezentrum des Österreichischen Bundesheeres in Kaisersteinbruch im Burgenland ausgebildet. Die Tiere werden für Aufgaben im In- und Ausland eingesetzt. (TT.com, APA)

Fakten zum Belgischen Malinois Schäferhund

Belgische Schäferhunde (Malinois) wurden zunächst als Hüte- und Treibhunde gezüchtet, sind heute aber oft als „Schutzhunde“ für Polizei und Militär im Einsatz. So hat laut US-Angaben der Malinois „Conan“ den ehemaligen IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi verfolgt und in den Tod getrieben. Sie sind auch beliebte Rettungs-, Drogen- und Sprengstoffspürhunde, Familienhunde und im Hundesport erfolgreich.

Vom Charakter, dem Körperbau und der Verwendung her sind „Malis“ den allseits bekannten Deutschen Schäferhunden sehr ähnlich, in der Regel sind sie jedoch drahtiger und somit schneller und wendiger. Ihre Intelligenz, Lern- und Arbeitsfreude sind sehr hoch, was sie einerseits zu Höchstleistungen treibt, aber auch große Anforderungen an Besitzer und Ausbildende stellt. Die Rasse wird oft als „für unerfahrene Hundehalter nur bedingt empfehlenswert“ bezeichnet. Diese Hunde brauchen viel Bewegung und Beschäftigung. Sie werden als „sensible Begleiter“ beschrieben, die einfühlsam, mit liebevoller Konsequenz und ohne Härte erzogen werden sollten.

Namensgebend für die Hunderasse ist die Stadt Malines im flämischen Belgien. Sie haben kurzes braunes Körperfell mit schwarzen Haarspitzen und eine schwarze Gesichtsfärbung. Charakterlich reicht die Bandbreite der Malinois von „ängstlich und scheu“ (und daher teils angstaggressiv) über „gut sozialisiert, ausgeglichen und menschenfreundlich“ bis schlicht „aggressiv“. Im offiziellen Rassestandard wird aggressives Verhalten als unerwünscht beschrieben, mit Exemplaren, die solches zeigen, darf theoretisch deshalb nicht gezüchtet werden. In der Praxis ist diese Eigenschaft aber vor allem in gezielten Schutzhundezuchten verbreitet. Sie sind in keiner „Rasseliste“ als gefährliche Hunde aufgeführt.

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