Letztes Update am Di, 25.03.2014 12:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Nach Waldbrand in Absam: Land verzichtet auf Schadenersatz

Man wolle „keine Existenz gefährden“, erklärte Landeshauptmann Platter am Dienstag. Ein 18-Jähriger hatte durch eine weggeworfene Zigarette den bis dato größten Waldbrand in Tirol ausgelöst.

Das Feuer am Hochmahdkopf in Absam hat auf einer Fläche von 50 Hektar fast die gesamte Vegetation zerstört.

© TT/Thomas BöhmDas Feuer am Hochmahdkopf in Absam hat auf einer Fläche von 50 Hektar fast die gesamte Vegetation zerstört.



Absam – Nach dem verheerenden Waldbrand in Absam hat die Tiroler Landesregierung heute in ihrer Sitzung beschlossen, keine Schadenersatzforderungen an den Verursacher zu stellen, „um keine Existenz zu gefährden“, sagte Landeshauptmann Günther Platter nach der Sitzung. Er werde entsprechende Gespräche mit dem Bund und der Gemeinde Absam führen. Dieser Beschluss erfolge unabhängig von einer strafrechtlichen Relevanz.

Ausgelöst hatte den Brand ein 18-Jähriger, der am Donnerstagvormittag mit seinem Hund auf einem Wanderweg unterwegs war. Der Einheimische warf eine Zigarette weg - und das Unglück nahm seinen Lauf. Der Tiroler versuchte noch, selbst das Feuer zu löschen - ohne Erfolg. Der Mann alarmierte sofort die Einsatzkräfte und meldete sich später bei der Polizei in Hall.

Der 18-Jährige wurde inzwischen wegen „fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst“ auf freiem Fuß angezeigt. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Das Forstgesetz sieht zudem eine Geldstrafe vor, erklärte der Innsbrucker Rechtsanwalt Andreas Ermacora gegenüber der Tiroler Tageszeitung am Montag.

Landesregierung beschloss Hilfspaket

Unterdessen wurde ein umfangreiches Hilfs- und Maßnahmenpaket für die Wiederherstellung der Schutzfunktion von Wald und Lawinenschutzbauten beschlossen. „Wir lassen die Gemeinde und die Absamer Bevölkerung nicht allein“, so Landeshauptmann Günther Platter. Aufgrund der durch den Brand verursachten Entwaldung und die Zerstörung von Schutzbauten drohen Erosion, Rutschungen und Lawinen. Platter: „Sicherheit hat Vorrang. Das Land wird gemeinsam mit den Bund die erforderlichen Finanzmittel bereitstellen und der Gemeinde Absam unter die Arme greifen. Die entsprechenden Finanzierungsverhandlungen werden demnächst geführt.“ Das Land Tirol wird außerdem für eine rasche Projekterstellung und –umsetzung sorgen und Behördenverfahren schnellstmöglich abwickeln, versichert der für Katastrophenschutz und Forst zuständige LHStv Josef Geisler.

Sanierungsplan auf 15 Jahre

In einem Drei-Stufen-Plan und einem Projekt, das sich über 15 Jahre erstrecken wird, sollen Schutzwald und Schutzbauten so rasch wie möglich wieder hergestellt werden. Nach ersten Schätzungen geht man von Gesamtkosten zwischen zwei und drei Millionen Euro aus.

In der ersten Phase sind Sofortmaßnahmen vorgesehen, die den verbleibenden Waldboden sichern und einen Bodenabtrag verhindern sollen. Sobald die Flächen schneefrei sind, wird eingesät. An neuralgischen Stellen werden zur Verfestigung des Bodens Kokosmatten aufgebracht. Außerdem werden die eventuell noch vorhandenen Schutzbauten auf ihre Funktionstüchtigkeit hin untersucht.

In der zweiten Phase wird mit der Aufforstung und der Neuerrichtung der Schutzbauten begonnen. In einem letzten Schritt werden Pflegemaßnahmen im neuen Schutzwald und allfällig notwendige Ergänzungen der Schutzbauten durchgeführt.

Ein Erkundungsflug mit einer Wärmebildkamera am Dienstag ergab, dass höchstwahrscheinlich die Glutnester am Hochmahdkopf erloschen sind. Der Salzburger Polizeihubschrauber Flir hatte das Gebiet überflogen. (pn, tt.com. APA)


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