Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.06.2015


Tirol

So klärten die Ermittler den Millionen-Coup in Tirol

Ein Schrebergarten bei Pfons war der Schlüssel zum Ermittlungserfolg. Der Besitzer des Gartens ist jetzt der Hauptverdächtige.

Dieses Bild der Überwachungskamera zeigt zwei Täter im Tresorraum der Innsbrucker Geldtransportfirma.

© PolizeiDieses Bild der Überwachungskamera zeigt zwei Täter im Tresorraum der Innsbrucker Geldtransportfirma.



Innsbruck – Drei Verdächtige in U-Haft, ein weiterer Beschuldigter auf freiem Fuß angezeigt, 1,8 Millionen Euro sichergestellt: So lauten die Eckdaten des Millionen-Coups, der am Dienstag vom Landeskriminalamt geklärt werden konnte. Der Weg zum Ermittlungserfolg war aber zunächst unklar – die Polizei hält sich bedeckt. Das gilt auch für den genauen Tathergang und die Schadenssumme.

Jetzt ist durchgesickert, dass zwei ehemalige Mitarbeiter (40 und 28 Jahre) am 20. Dezember in der Geldtransport-Firma C3 in der Andechsstraße 2,75 Millionen Euro aus insgesamt 13 Tresoren erbeutet haben. In die Schleuse des Unternehmens eingedrungen sind die Männer mit einem von 15 existierenden Schlüsseln, der im November als gestohlen gemeldet worden war. Auch bei den Tresoren hatten die Einheimischen aus dem Großraum Innsbruck leichtes Spiel – alle Geldschränke waren mit demselben Code gesichert. Und diese Zahlenkombination, die offenbar mehreren Mitarbeitern bekannt war, blieb drei Jahre lang unverändert. Was sogar dazu führte, dass die entsprechenden Tasten anhand der Abnützungsspuren erkennbar waren.

Für die Ermittler ein schwieriger Fall – zu viele Insider, zu viele Schlüssel, zu viele Personen, die für den Coup in Frage kamen. Doch im Februar brachte ein Arbeiter die Beamten auf die richtige Spur. Bei Rodungsarbeiten im Wald bei Pfons entdeckte der Mann ein gestohlenes Autokennzeichen, das beim Millionen-Coup im Dezember eine Rolle gespielt hatte. Der Mann alarmierte die Stein­acher Polizei. Am nächsten Tag fand ein Beamter im selben Waldstück verschiedene Kleidungsstücke. Entscheidend war aber der Fundort, der sich in unmittelbarer Nähe eines Schrebergartens befand. Wie die Ermittlungen ergaben, war der Besitzer des Gartens ein Mitarbeiter der Geldtransport-Firma. Ein Zufall zu viel – der erste Verdächtige war damit identifiziert. Am Dienstag wurden der 40-Jährige und seine drei mutmaßlichen Komplizen festgenommen. Die Männer sind geständig. Ein Teil der Beute soll sich angeblich in Italien befinden. (tom)