Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.07.2015


Exklusiv

Vandalismus kostet Tirol mehr als eine Million Euro im Jahr

Im Sommer schlagen Vandalen besonders häufig zu. Sie hinterlassen Schäden, viel Instandsetzungsarbeit und hohe Kosten für die Allgemeinheit.

© IVBVandalismus-Kreislauf auf Kosten der Allgemeinheit. Beschädigter Fahrscheinautomat in Innsbruck, besprayter Bus, aufgeschlitzter Sitz im ÖBB-Waggon, Bus mit eingeschlagener Fensterscheibe, Unmengen von Müll auf den Straßen, ausgerissene Blumen in Kufstein (von l. oben im Uhrzeigersinn).Fotos: IVB, ÖBB-Postbus, Stadt Kufstein, Land Tirol



Von Markus Schramek

Innsbruck, Telfs, Kufstein – Eingeschlagene Scheiben, verklebte Ticketautomaten, Wandschmierereien, Müll am Straßenrand: Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass öffentliches Eigentum beschädigt wird.

Einen jährlichen Schaden bis zu 250.000 Euro richten Vandalen in Tirol allein bei den ÖBB an (Züge und Postbusse zusammen). Fahrzeuge werden mit Graffiti besprayt, Sitzpolsterungen verdreckt oder aufgeschlitzt. In Bahnhöfen sind Bänke, Mülleimer und WCs beliebte Vandalenobjekte.

Bei der Wiederherstellung brauchen Mitarbeiter einen guten Magen. „Es kommt vor, dass Sitze durch Hundekot verschmutzt sind“, so ÖBB-Sprecher René Zumtobel.

Auch die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) sind leidgeprüft. „Rund 30.000 Euro betrug der Vandalismusschaden im Vorjahr“, berichtet Chef Martin Baltes. Ticketgeräte haben einen besonders schweren Stand. 148 Attacken auf solche Automaten wurden registriert.

In Innsbruck beschränkt sich mutwillige Zerstörung aber nicht auf Öffis. Auch bauliche Einrichtungen erwischt es. Tiefbauleiter Walter Zimmeter kennt die Hotspots: „Im Kreisverkehr beim Eisstadion wurde die Beleuchtung in der Unterführung zerstört.“ Neues Licht musste montiert werden – außerhalb menschlicher Reichweite. Kosten: 65.000 Euro.

Einige hundert Meter weiter, auf der Olympiabrücke, war der südseitigen Glasbrüstung nur ein kurzes intaktes Dasein beschieden. „Bald waren 17 der 45 Glasscheiben durch Hammerschläge beschädigt“, berichtet Zimmeter. Ein Alublech wurde als Schutz vor dem Glas angebracht. 110.000 Euro hat das gekostet.

Weitere 1,3 Millionen Euro wendet die Stadt alljährlich dafür auf, Gehsteige und Aufenthaltsflächen zu reinigen und vom Müll zu befreien.

Abfall findet sich auch entlang von Landesstraßen reichlich wieder. Im Vorbeifahren fliegt vieles einfach beim Autofenster hinaus. Die Entsorgung und das dafür nötige Personal kosten das Land 1,1 Mio. Euro im Jahr.

Vandalismus betrifft viele weitere Gemeinden im Land. In Kufstein, Tirols zweitgrößter Stadt, summierten sich die Schäden im Vorjahr auf 13.000 Euro. „Blumen in Kreisverkehren und Trögen wurden ausgerissen, Mülleimer und Bänke zerstört“, bilanziert Bauhofleiter Thomas Guglberger. Im Sommer komme das verstärkt vor.

In Telfs, mit mehr als 15.000 Einwohnern Tirols drittgrößte Gemeinde, ist Vandalismus fallweise zu beklagen; er scheint aber unter Kontrolle. Lediglich 3000 bis 5000 Euro pro Jahr müssen für die Schadensbehebung aufgewendet werden, sagt Manfred Auer von der Gemeinde. Nächtliche Streifendienste an Wochenenden tun offenbar ihre Wirkung.