Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.08.2015


Exklusiv

Keine Pistolen mehr: Jäger fordern Gesetzesänderung

Die Jägerschaft kritisiert, dass keine Waffenpässe mehr für Faustfeuerwaffen ausgestellt werden. Nun fordert man rasch eine Gesetzesänderung.

Die Tiroler Jäger haben keine Faustfeuerwaffenausbildung. Der Jägerverband hat daher bereits zwei (Freiwilligen-)Kurse in dieser Waffengattung angeboten. In Tirol wurden heuer 23 Waffenpässe für Jäger ausgestellt, vergangenes Jahr waren es 34.

© iStockDie Tiroler Jäger haben keine Faustfeuerwaffenausbildung. Der Jägerverband hat daher bereits zwei (Freiwilligen-)Kurse in dieser Waffengattung angeboten. In Tirol wurden heuer 23 Waffenpässe für Jäger ausgestellt, vergangenes Jahr waren es 34.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – „Im Moment werden alle Anträge auf Ausstellung eines Waffenpasses sofort abgelehnt oder von der Behörde nicht bearbeitet“, zeigt sich ein Tiroler Jäger, der nicht genannt werden will, erzürnt. Auch von Peter Lebersorger, Generalsekretär der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände, kommt scharfe Kritik: „Im Waffengesetz steht ausdrücklich, dass es einen jagdlichen Bedarf gibt. Es ist sehr erstaunlich, dass der Verwaltungsgerichtshof sich in dieser Sache zum Gesetzgeber hochspielt.“ Hintergrund des Missmuts: Bisher durften Jäger mit einer gültigen Jagdkarte Waffen der Kategorie C und D (Büchsen und Flinten) führen. Wer zudem Revolver, Pistolen oder halb­automatische Schusswaffen benützen wollte, musste einen Waffenpass der Kategorie B beantragen. Dieser Pass wurde ausgestellt, wenn man der zuständigen Bezirkshauptmannschaft den „individuellen Bedarf“ glaubhaft machen konnte. „Bedarf gibt es vor allem beim Fangschuss für verletztes oder angefahrenes Wild oder bei der gefährlichen Bejagung von Wildschweinen“, erklärt der Geschäftsführer des Tiroler Jägerverbandes, Martin Schwärzler. Im Jänner entschied aber der Verwaltungsgerichtshof in einem Revisionsurteil, dass man auch für die Nachsuche keine Waffe der Kategorie B benötige. Gleiches gelte für die Bejagung von Schwarzwild und damit für die Wildschweinjagd. Lebersorger will diese Situation nicht länger hinnehmen: „Wir fordern eine Änderung des Waffengesetzes in die Richtung, dass der Bedarf genau definiert ist.“ Im Herbst wolle man mit „den entsprechenden Politikern Kontakt aufnehmen“. Auch der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher ist mit dem Ist-Stand „nicht sehr glücklich“, verweist aber darauf, „dass man das Urteil zur Kenntnis nehmen muss“. Berufsjäger und Jagdschutzorgane berührt die derzeitige Situation übrigens nicht, sie dürfen weiterhin Faustfeuerwaffen führen.