Letztes Update am Mi, 23.09.2015 04:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Ex-Zögling klagt Land Tirol auf 320.000 Euro

Entschädigungen für Torturen im Landeserziehungsheim Kleinvolderberg und unter Psychiaterin Maria Nowak-Vogl machte gestern ein Tiroler geltend.

© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein verpfuschtes Leben ohne Ausbildung führt ein Tiroler auf seine Kindheitserlebnisse im Landeserziehungsheim Kleinvolderberg in den Jahren 1972 bis 1976 zurück. Misshandlungen und Missbrauch hätten demnach sein Wesen für immer verändert. In den Jahren 1972 und 1973 sei er als Bub zudem unter der Ägide der berüchtigten Kinderpsychiaterin Maria Nowak-Vogl gestanden.

Erst eine kürzlich im Auftrag des Bundessozialamtes durchgeführte psychiatrische Untersuchung habe nun gutachterlich festgestellt, dass die erlittene dissoziale Persönlichkeitsstörung des Ex-Zöglings den Werdegang des Mannes bestimmt hatte. Erst diese Untersuchung habe auch eine „dissoziative Amnesie“ beseitigt. Zuvor habe der Mann über das Erlittene nicht sprechen können. Nachdem vom Land Tirol bereits 10.000 Euro als Opferentschädigung flossen, schritt der Mann gestern mit Anwältin Annamaria Rudel ans Landesgericht und machte 180.000 Euro Schadenersatz geltend. Mindestens 5000 Euro pro Jahr habe der Mann durch fehlende Ausbildung verloren. Dazu wurden 150.000 Euro Schmerzensgeld geltend gemacht – wobei die Opferentschädigung abgezogen wurde. Rudel: „Durch die Amnesie ist die Sache nicht verjährt!“

Anwalt Roland Testor, der das Land Tirol vertritt, sah dies freilich gestern ganz anders und machte Verjährung geltend. Dazu bestehe auch kein Amtshaftungsanspruch des Landes, da sowohl das Heim als auch die Nowak- Vogl-Kinderbeobachtungsstation der Privatwirtschaftsverwaltung unterstünden. Auch gebe es keinen Beweis für das Vorgebrachte und dessen Auswirkungen. Am 17. November wird der Tiroler nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine Geschichte erzählen.