Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.10.2015


Tirol

8,5 Jahre Haft für fingierten Raub-Coup

Der Raubüberfall in Jochberg auf einen 70-jährigen Italiener war das Werk seiner jungen Freundin, derer Brüder und eines Cousins.

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Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Jochberg – Im November 2013 war ein 70-jähriger Architekt mit einer 24-jährigen Marokkanerin in eine Ferienwohnung nach Jochberg gereist. Dabei hatte der Italiener auch ein 40.000-Euro-Konto aufgelöst. Schon in der Nacht darauf hielt ihm ein Vermummter ein Messer an den Kopf und schrie: „Money! Money!“ Der 70-Jährige und seine Freundin wurden gefesselt, die Täter flüchteten.

Länderübergreifende Ermittlungen des Landeskriminalamtes ergaben bald, dass die Tat wohl im Umfeld der jungen Marokkanerin anzusiedeln war. Im Dezember wurden darauf ihre zwei Brüder wegen schweren Raubes zu vier und sechs Jahren Haft verurteilt. Laut dem Innsbrucker Schöffensenat war der Coup von langer Hand geplant.

Nach später Auslieferung musste sich gestern auch deren Cousin wegen Komplizenschaft letztmalig verantworten. Er leugnete. Weder sei er zu Silvester in Österreich gewesen, noch solle man die belastenden Aussagen eines der Cousins glauben – sie seien ein reiner Racheakt. Zu dieser Version passte allerdings schlecht, dass der 28-Jährige noch kurz vor dem Raub bei seinem Cousin übernachtet hatte und sogar mit ihm die Schuhe getauscht haben wollte. Damit hatte der Angeklagte nämlich von Anfang an erklärt, wie angeblich seine DNA auf die Schuhbänder gekommen wäre, mit denen der 70-Jährige gefesselt worden war. Nach gerichtsmedizinischen Gutachten alles nicht glaubhaft für den Schöffensenat unter Richter Josef Geisler: „Ihre Variante ist für die Gerichtsmedizin äußerst unwahrscheinlich. Es hätte dann auch schlicht DNA ihres Cousins auf den Bändern sein müssen. Außerdem hat er eine ganz andere Schuhgröße!“

Bei einem Strafrahmen von fünf bis fünfzehn Jahren Haft setzte es darauf nicht rechtskräftig achteinhalb Jahre Gefängnis. Im Schock applaudierte der Marokkaner Richter Geisler. Geisler: „Das lässt tief blicken, genauso wie die rücksichtslose und heimtückische Vorgangsweise!“

Auch der 70-Jährige verdächtigte im Prozess nun übrigens seine junge Freundin der Mittäterschaft. „Es roch beim Fesseln nach Orient-Parfüm und sie war untertags so nervös.“ Italien liefert die verhaftete Frau vorab wegen ihres Kleinkindes nicht aus.




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