Letztes Update am So, 01.11.2015 16:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Giftiger Alkohol

Gepanschter Raki: Bereits 23 Tote in der Türkei

Insgesamt wurden seit Mittwoch 89 Menschen nach dem Konsum der illegal hergestellten Spirituose ins Krankenhaus eingeliefert.

Die Jacken waren in der Garderobe und auf Barhockern abgelegt. - Symbolfoto.

© APADie Jacken waren in der Garderobe und auf Barhockern abgelegt. - Symbolfoto.



Istanbul - In der Türkei ist die Zahl der Toten durch gepanschten Alkohol auf 23 gestiegen. In den vergangenen zwei Tagen seien elf weitere Menschen in Istanbul im Krankenhaus gestorben, nachdem sie illegal hergestellten Raki getrunken hatten, berichteten die Fernsehsender NTV und CNN-Türk am Sonntag.

Insgesamt wurden seit Mittwoch 89 Menschen nach dem Konsum des Fusels ins Krankenhaus eingeliefert. 15 von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr. Medien zufolge starben am Samstag sechs Menschen im Krankenhaus, in der Nacht folgten fünf weitere.

Der Anisschnaps, den die Opfer zu sich nahmen, enthielt nach Einschätzung der türkisches Gesundheitsbehörden hoch giftiges Methanol. Laut Medienberichten nahm die Polizei rund 20 Verdächtige fest. Sie sollen für die Herstellung des tödlichen Gebräus verantwortlich sein. 14 wurden wegen fahrlässiger Tötung inhaftiert. Bei mehreren Razzien im ganzen Land wurden tausende Flaschen Raki beschlagnahmt.

Einer der Verdächtigen, dem fahrlässige Tötung vorgeworfen wird, erklärte vor Gericht, er sei von seinen Lieferanten betrogen worden. Er habe bereits in der Vergangenheit Raki hergestellt, sagte er laut der Tageszeitung „Hürriyet“. „Ich bin nicht dumm. Sie (die Lieferanten) sind es, die die Verantwortung für die Todesfälle tragen“, wurde der Mann zitiert. Die Nachrichtenagentur Dogan meldete unter Verweis auf den Verdächtigen, diesem sei Methanol statt Ethanol-Alkohol verkauft worden.

Vor zehn Jahren waren in der Türkei 22 Menschen an gepanschtem Raki gestorben. 2009 waren elf Menschen an gepanschtem Alkohol gestorben, darunter drei deutsche Berufsschüler aus Lübeck. Kritiker warfen der islamisch-konservativen Regierung immer wieder vor, durch die stufenweise Erhöhung der Alkoholsteuer für die Verbreitung von gepanschtem Schnaps mitverantwortlich zu sein. (APA/AFP)