Letztes Update am Mo, 23.11.2015 08:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Justiz und Kriminalität

Haftprüfung abgesagt: Amokfahrer von Graz erst 2016 vor Gericht

Immer noch ist unklar, wann der Gerichtsprozess rund um die Amokfahrt in Graz startet. Wichtige Gutachten bleiben weiter ausständig.

© EPA/Elmar GubischNach der Amokfahrt mit drei Toten in Graz herrschte bei den Bewohnern Trauer und Fassungslosigkeit.



Graz – Bei seiner halsbrecherischen Fahrt durch die Grazer Innenstadt riss ein 26-Jähriger vor rund fünf Monaten drei Menschen in den Tod, 36 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der Mann steht aber bis heute nicht vor Gericht – und es ist derzeit noch unklar, wann überhaupt Anklage erhoben wird. Vermutlich erst 2016, wie Medien am Montag berichteten.

Verzögerung bei Gutachten

Zuletzt wurde am Sonntag die Untersuchungshaft über den Amokfahrer um zwei weitere Monat verlängert – laut Staatsanwaltschaft besteht Tatbegehungsgefahr. Die Verteidigung des Steirers hat Haftbeschwerde eingelegt. Der Einspruch wurde mittlerweile abgelehnt. Dennoch wurde eine für heute, Montag, anberaumte Haftprüfung auf 9. Dezember verschoben.

Grund seien auch Gutachten, die sich verzögerten, hieß es. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Richter haben Psychiater mit der Beurteilung des Geisteszustandes des Amokfahrers beauftragt. Im Oktober sollten diese Gutachten eigentlich vorliegen. Weil aber auch noch der Abschlussbericht der Polizei, der gerade erst fertig gestellt wurde, in die Gutachten miteinbezogen werden muss, kommt es zu Verzögerungen.

Wann die Gutachten vorliegen, ist derzeit noch nicht bekannt. Sollten die Gutachter zu unterschiedlichen Auffassungen gelangen, könnte auch noch eine dritte Beurteilung notwendig werden.

Für den Gerichtsprozess sind die Gutachten unerlässlich. Je nach Urteil der Sachverständigen entscheidet sich, ob der Lenker zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war, oder eben nicht. Daran hängt auch ein Antrag auf Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Vierjähriger Bub starb bei Amokfahrt

Der 26-jährige war am 20. Juni mit seinem Geländewagen durch die Grazer Innenstadt gerast und hatte dabei mehrfahr Fußgänger gerammt.

Vor einem Geschäft hielt er zwischendurch an und attackierte ein Paar mit einem Messer. Dabei wurde der Mann schwer, seine Freundin leicht verletzt.

Nach dieser Attacke fuhr er mit dem Auto weiter, erfasste dabei mehrere Personen und tötete insgesamt drei Fußgänger, darunter einen vierjährigen Buben. Zudem krachte der Lenker in einen Schanigarten, wo er acht Menschen verletzte. In der Schmiedgasse hielt der Täter schließlich nahe der Polizeiinspektion an und ließ sich widerstandslos festnehmen. Hintergrund für die Amokfahrt war angeblich eine häusliche Auseinandersetzung. Der gewaltbereite und polizeibekannte Mann war aus seinem Haus weggewiesen worden und daraufhin durchgedreht. (TT.com/APA)


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