Letztes Update am So, 06.12.2015 16:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien

Polizei wertet Messerangriff in Londons U-Bahn als Terrorakt

In einer U-Bahn-Station stach ein Mann wahllos auf Menschen ein. „Wir behandeln dies als einen terroristischen Zwischenfall“, erklärte die Polizei. Der Täter wurde festgenommen.

Londons Polizei hat ein riesiges Problem mit Morden und Mordversuchen.

© ImagoLondons Polizei hat ein riesiges Problem mit Morden und Mordversuchen.



London - Die britische Polizei hat einen Messerangriff in der Londoner U-Bahn mit mehreren Verletzten als Terrorakt eingestuft. Die Regierung rief die Bevölkerung am Sonntag auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Ein Mann hatte am Samstagabend im U-Bahnhof Leytonstone auf Fahrgäste eingestochen und Medienberichten zufolge dabei gerufen: „Das ist für Syrien.“ Ein 56-Jähriger wurde laut Polizei schwer verletzt, sein Gesundheitszustand sei aber stabil. Eine zweite Person habe leichte Verletzungen erlitten. Der vermutlich 29-jährige Angreifer, den die Polizei nach dem Einsatz eines Elektroschockers festnahm, habe weitere Reisende bedroht. „Wir werten dies als terroristischen Vorfall“, sagte Richard Walton, der Leiter der Anti-Terror-Abteilung der Londoner Polizei.

Die Polizei bestätigte allerdings nicht, dass der Angreifer auf den Syrien-Einsatz der britischen Luftwaffe Bezug genommen haben soll. Augenzeugen berichteten in mehreren Medien, der Mann habe offensichtlich Vergeltung für den Militäreinsatz üben wollen. Großbritannien hatte am Donnerstag, unmittelbar nach einem Beschluss des Parlaments, mit Luftangriffen auf Stellungen der Extremistenmiliz IS (Daesh) in Syrien begonnen. In Großbritannien gilt bereits seit längerem die zweithöchste Terror-Warnstufe.

„Wir dürfen es dieser Art von Leuten, Terroristen und ähnlichen, nicht erlauben, unser Leben zu bestimmen“, sagte Arbeitsminister Iain Duncan Smith der BBC. „Die Art und Weise, wie wir sie am Ende besiegen werden, steht im Einklang mit unseren Werten, mit unserer Meinungsfreiheit, unserer Glaubensfreiheit.“

Großbritannien hatte im Juli 2005, gerade als der G8-Gipfel im schottischen Gleneagles tagte, seinen bislang schwersten islamistischen Anschlag erlitten. Damals waren 52 Menschen durch Selbstmordattentate in der Londoner U-Bahn und in einem Bus ums Leben gekommen.

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Erst vor etwa drei Wochen waren bei Anschlägen in Paris, zu denen sich der IS bekannte, 130 Menschen gestorben. Bei einem Angriff auf eine Sozialeinrichtung töteten am Mittwoch im kalifornischen San Bernardino ein Mann und eine Frau 14 Menschen, bevor sie bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben kamen. Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen wurde das Paar offenbar von islamistischen Extremisten inspiriert. (Reuters)