Letztes Update am Mo, 07.12.2015 09:51

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

San Bernadino: Nachbar des Terror-Paares gerät in den Fokus

Das Ehepaar könnte weitere Anschläge geplant haben – auch ihr Nachbar soll bei der Beschaffung einzelner Waffen die Finger im Spiel gehabt haben. Die Ermittler glauben, dass die Ehefrau ihren Mann radikalisiert hat.

Der Wagen der Attentäter von San Bernardino: Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde das Ehepaar getötet.

© ImagoDer Wagen der Attentäter von San Bernardino: Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde das Ehepaar getötet.



Washington/San Bernardino (Kalifornien) – Haben die Attentäter von Kalifornien noch andere Verbrechen geplant? Laut amerikanischen Regierungskreisen könnte das durchaus zutreffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr. Vor allem das gefundene Waffenarsenal spreche laut Ermittlern für diese These. Konkrete Hinweise gibt es dazu freilich nicht. Michale McCaul vom „Homeland Security Committee“ erklärte in einem Interview auf Fox News außerdem, dass sich die Ermittler fragen würden, woher das Paar das Geld für derart viele Waffen gehabt hatte. „Wir prüfen derzeit intensiv, was die Frau in Pakistan und Saudi Arabien gemacht hat“, so McCaul.

Die junge Frau war nach der Hochzeit mit dem 28-Jährigen in die USA eingereist. Das Paar hatte eine gemeinsame sechs Monate alte Tochter, das sich derzeit in einer Betreuungseinrichtung befindet. Nach der Hochzeit soll sich der Attentäter von San Bernardino mehr und mehr verändert haben.

„Wir glauben, sie hatte eine Menge mit der Radikalisierung ihres Mannes zu tun“, befand auch McCaul. Pakistan hat den USA bereits angeboten, die Vergangenheit der jungen Frau aufzurollen, um nachzeichnen zu können, wie es zu der Radikalisierung kam. Bislang konnte ihr noch kein Kontakt zu Extremistengruppen nachgewiesen werden. Einzig ein Facebook-Posting, in dem sie den Anführer der IS (Daesh) die Treue schwört, weist auf radikale Tendenzen hin. Fest steht allerdings, dass sie eine angesehene Koranschule für mittel- bis höherverdienende Frauen in Pakistan besucht hatte. Laut ehemaligen Kommilitoninnen der jungen Pakistanerin soll sie sich daraufhin immer mehr verändert haben.

Ein Verwaltungsvertreter der Koranschule sagte, er könne weder bestätigen noch dementieren, dass Malik an dem Institut eingeschrieben gewesen sei. Die Al-Huda-Institut habe aber nichts mit dem Anschlag in San Bernardino zu tun und sei „nicht verantwortlich für die persönlichen Taten unserer Schüler“.

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Nachbar im Fokus

Polizisten durchforsteten unterdessen am Sonntag noch einmal das Anwesen der beiden Terrorverdächtigen. Wie die Washington Post berichtet, waren drei Polizisten auch noch einmal für 30 Minuten beim Nachbarn der Todesschützen und kamen anschließend mit einer Box aus dem Haus, deren Inhalt unbekannt ist. Der Nachbar soll neuesten Erkenntnissen zufolge Waffen für das Terror-Pärchen besorgt haben. Unter anderem werde ihm der Kauf einer „Smith and Weston“ zugerechnet, die einer der beiden Attentäter bei der Schießerei in San Bernardino verwendete.

Der Nachbar, der als Sicherheitsbeamter bei der Kaufhauskette Walmart angestellt ist, hat sich am Freitag in eine Einrichtung für geistige Probleme eingewiesen. Er wurde bereits eingehend befragt. Ob er rechtlich belangt werden kann steht derzeit noch nicht fest.

Das getötete Ehepaar und der Sicherheitsbeamte waren über Jahre Nachbarn. Die beiden Männer sollen sich gut verstanden haben. Der 28-jährige Hauptverdächtige wird von Freunden und Familie als ruhiger junger Mann beschrieben, der nicht viele Kontakte hatte und regelmäßig zum Beten in die Moschee ging. In einem Interview mit der italienischen La Stampa erzählt der Vater des Attentäters, wie sich sein Sohn langsam verändert hat. „Er wurde immer konservativer. Seine Ansichten waren konservativ, meine Ansichten waren liberal.“ Der 28-Jährige soll sich mit einem jüdischen Arbeitskollegen gestritten haben, der bei dem Schussattentat ebenfalls getötet wurde. Zunächst waren die Behörden nach der Schießerei in der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen deshalb davon ausgegangen, dass es sich um einen Racheakt handle. Der Attentäter hatte zuvor nach einem Streit eine Weihnachtsfeier der Einrichtung verlassen und war gemeinsam mit seiner Frau schwer bewaffnet zurückgekehrt. (TT.com/APA/Reuters/Washington Post)