Letztes Update am Mo, 07.12.2015 13:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NSU-Prozess

Zschäpes Anwalt kündigt Erklärung zu Anklagepunkten an

Noch diese Woche will der Anwalt von Beate Zschäpe im NSU-Prozess eine Erklärung verlesen. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass „Schweigen hier nicht mehr die richtige Strategie ist“.

Seit zweieinhalb Jahren läuft der Prozess gegen Beate Zschäpe in München. Über ihren Anwalt will sie nun erstmals Stellung zu allen Anklagepunkten beziehen.

© EPA/ANDREAS GEBERTSeit zweieinhalb Jahren läuft der Prozess gegen Beate Zschäpe in München. Über ihren Anwalt will sie nun erstmals Stellung zu allen Anklagepunkten beziehen.



München – Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe will im NSU-Prozess nach Angaben ihres Verteidigers Mathias Grasel Angaben zu allen Anklagepunkten machen. Grasel will die Erklärung voraussichtlich in dieser Woche verlesen, womöglich bereits an diesem Dienstag. „Diese Erklärung wird sich mit allen angeklagten Punkten beschäftigen, und wir werden da auf jeden einzelnen Punkt eingehen“, sagte der Verteidiger am Montag dem Bayerischen Rundfunk.

Konkret werde es darum gehen, was Zschäpe gewusst habe und worin sie involviert gewesen sei, erklärte Grasel. Fragen des Gerichts würden voraussichtlich nicht von Zschäpe selbst, sondern von ihm oder seinem Kollegen Herrmann Borchert beantwortet.

Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass „Schweigen hier nicht mehr die richtige Strategie ist, sondern dringend eine Erklärung geboten ist“, erklärte Grasel, der vom Oberlandesgericht erst im Juli, nach mehr als zwei Jahren Prozessdauer, zum vierten Pflichtverteidiger bestellt worden war. „Das entspricht im Übrigen auch dem ursprünglichen Wunsch von Frau Zschäpe, der bereits seit Ihrer Verhaftung im März 2011 so existierte“, betonte Grasel. (dpa)

Der „Nationalsozialistische Untergrund“

Die Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe konnten jahrelang unerkannt morden. Das Trio aus Jena tauchte nach einer Razzia in seiner Bombenwerkstatt 1998 ab und gründete eine Terrorgruppe. In den Jahren 2000 bis 2007 erschoss die Gruppe nach Erkenntnissen der Ermittler zehn Menschen, neun davon ausländischer Herkunft. Mit Sprengstoffanschlägen verletzten sie Dutzende.

Spätestens ab 2001 nannten sie sich „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU).

Nach dem Tod ihrer Kumpane im November 2011 stellte sich Zschäpe der Polizei. Seit Mai 2013 wird in München gegen sie und mutmaßliche Unterstützer verhandelt.

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