Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.12.2015


Tirol

Dreitägiger Indizienprozess zu Mord in Mühlbachl

Dutzende Male wurde auf einen 39-Jährigen brutal eingestochen. Zehn Sachverständige erstatteten Gutachten. Der Angeklagte bestreitet die Tat.

Ermittler bei der Spurensicherung am Tatort.

© Zoom-TirolErmittler bei der Spurensicherung am Tatort.



Innsbruck, Mühlbachl – Eine besonders heftig durchgeführte Bluttat, die eine Menge an Indizien hinterlassen hat, führt am Landesgericht ab Freitag zu einem Mordprozess über drei Tage. Erst nächsten Donnerstag soll ein Urteil fallen.

Am 15. Dezember letzten Jahres war in Mühlbachl ein 39-Jähriger ermordet in seinem Haus aufgefunden worden. Schon Tage später forschte das Landeskriminalamt aufgrund von Handyauswertungen einen 25-jährigen Slowaken aus, der sich am Tattag im Haus des Opfers aufgehalten hatte. Das gab er auch zu. Er hatte den in Lebenspartnerschaft befindlichen 39-Jährigen über das Internet kennen gelernt und soll den Mühlbachler schon zuvor auf einem Parkplatz und in dessen Wohnung getroffen haben. Der 25-Jährige bestreitet jedoch die Tat bis heute vehement – es gilt die Unschuldsvermutung.

„Mein Mandant will den 39-Jährigen ganz normal verlassen haben. Beim Abschied soll dieser noch eine Zigarette geraucht haben“, äußert Verteidiger Hermann Rieder auf Anfrage gegenüber der TT. Auch glaubt Rieder nicht, dass sein Mandant aufgrund seiner Statur zu dieser Tat überhaupt fähig war.

Schließlich stellt sich die Bluttat als ungewöhnlich brutal dar. Der 39-Jährige wurde nämlich nicht, wie bei einem Raubmord, mit wenigen gezielten Messerstichen getötet, sondern mit Dutzenden von Einstichen regelrecht hingerichtet. Das Opfer wurde erst mit einem sehr dünnen Metallstab, ähnlich einer Ahle oder einem Pfriem, etliche Male an beiden Körperseiten gestochen. Erst anschließend verwendete der Täter höchstwahrscheinlich zwei verschiedene Messer und stach erneut unzählige Male zu. Erst durch Blutverlust und eine Gaslunge war das Opfer leblos zusammengebrochen.

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Auch kam Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner beim Slowaken zum Schluss, dass sich der Faktor spontane Aggression im Selbstbeurteilungsverfahren erniedrigt zeige. „Im Faktor Erregbarkeit ergibt das Testverfahren einen Durchschnitt“, ergänzt Verteidiger Rieder, für den auch die Spuren nicht auf einen speziellen Täter schließen lassen. Ganz anders für Staatsanwältin Birgit Unterguggenberger und das Oberlandesgericht. Nach den gesammelten Indizien sieht sie im Slowaken den Mörder. „Die Anklage stützt sich auf mehrere, insbesondere spurenkundliche Sachverständigengutachten und auf die Telefon- und Navigationsdaten des Angeklagten, aus denen sich die zeitliche und örtliche Nähe des Beschuldigten zum Tatgeschehen ergibt. In einem sehr aufwendigen Ermittlungsverfahren wurden von zehn Sachverständigen Gutachten erstattet, wie zum Beispiel eine Blutspurenmusteranalyse oder ein heizungstechnisches Gutachten zur Eingrenzung des Todeszeitpunktes“, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft. (fell)