Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.12.2015


Tirol

Konkurs nach Mafia-Verdacht

Ein Unterländer Geschäftsmann ist posthum in ein Insolvenzverfahren geschlittert.

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© Getty Images/iStockphoto



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Wirtschaftskrimi um einen deutschen Anwalt und dessen mögliche Verbindungen zur Mafia endet jetzt mit einem Konkursverfahren am Innsbrucker Landesgericht. Und zwar posthum – der Wahltiroler aus dem Unterland ist bereits vor über einem Jahr gestorben. Elf Monate vor seinem Tod hatten Kriminalbeamte aus Wien, Innsbruck und Wiesbaden das Haus des Ex-Politikers in Niederndorferberg durchsucht.

Der damalige Grund für die Ermittlungen: Verdacht der internationalen Geldwäsche. Nach seinen Karrieren als Anwalt und Kommunalpolitiker hatte der Wahltiroler in Kalabrien (Süditalien) einen Windpark errichtet. Mit an Bord des Projektes zwei deutsche Geschäftsleute und der Neffe eines örtlichen Mafia-Klans. Die HSH Nordbank aus Hamburg übernahm die Finanzierung, 225 Millionen Euro flossen von der Nordsee nach Süditalien. Der ehemalige Anwalt aus Niederndorferberg und seine Partner wollten den Windpark nach der Fertigstellung sofort verkaufen und mit dem Erlös den Kredit zurückzahlen.

Allerdings durchkreuzte die Staatsanwaltschaft Catanzaro in Kalabrien die Pläne. 2012 wurden die 48 Windräder beschlagnahmt. Ein abgehörtes Telefongespräch zwischen Mafia-Mitgliedern hat zu dieser Zwangsmaßnahme geführt. Dabei ging es um 80 Millionen Euro, die der Klan in das Windkraftwerk investieren wollte. Millionen, die mit Drogengeschäften erwirtschaftet worden waren, mutmaßte die Staatsanwaltschaft. Weiters soll der Wahltiroler der Mafia bei der Geldwäsche in der Schweiz geholfen haben. Die Ermittlungen führten schließlich im November 2013 zu einer Großrazzia mit Hausdurchsuchungen in Deutschland, der Schweiz, San Marino und Niederndorferberg.

Knapp ein Jahr später – im Oktober 2014 – starb der ehemalige Anwalt aus Bayern. Er hinterließ laut Klaus Schaller vom KSV1870 knapp 60.000 Euro und zwei Millionen Euro Schulden. Ein Konkursverfahren ist die Folge, die erste Tagsatzung findet am 15. Jänner am Innsbrucker Landesgericht statt. Bis 4. Jänner können Gläubiger ihre Ansprüche anmelden. Noch unklar ist, ob auch Windpark-Investoren beim Kreditschutzverband Forderungen einreichen werden. Geprüft wird auch, ob Investitionen von rund 800.000 Euro in die Immobilien von Verwandten eingefordert werden können.