Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.12.2015


Bezirk Landeck

Kühe brachten Bauer „Flurschäden“-Klage ein

In Pettneu/Vadiesen wechseln Kühe manchmal vom Asphalt auf den privaten Grünstreifen.

© privatIn Pettneu/Vadiesen wechseln Kühe manchmal vom Asphalt auf den privaten Grünstreifen.



Pettneu am Arlberg – Zehn Rinder hat der Nebenerwerbsbauer Norbert Falch in seinem Stall. Im Herbst treibt er seine Tiere durch die Vadiesner Gasse auf eine Weide. Das ist Tradition, das haben die Bauern dort seit Hunderten Jahren gemacht, wie Bürgermeister Manfred Matt bestätigte.

Vor wenigen Tagen traute der Kleinbauer seinen Augen nicht, als ein Anwaltsbrief in seinem Postkasten lag. „Ich vertrete eine Wohnungseigentümergemeinschaft in Vadiesen“, schrieb der Anwalt. Seine Mandantschaft habe festgestellt, dass die Kühe auf einen Grünstreifen neben dem asphaltierten Weg gelangen. Dort hätten die Tiere Flurschäden verursacht. „Die Schäden sind von Ihnen zu beheben, eine Frist bis Mitte Mai wird in Vormerk genommen“, teilte der Landecker Anwalt dem Viehhalter mit.

Damit nicht genug: Dem Schreiben lag eine Rechnung in Höhe von 180 Euro sowie eine Unterlassungserklärung bei. „Ich (Norbert Falch) verpflichte mich, Sorge zu tragen, dass von mir gehaltenes Vieh in Zukunft nicht mehr auf den Grund der Wohnanlagen Vadiesen kommt“, heißt es in der so genannten Anerkenntnisurkunde.

Der betroffene Bauer war – gelinde gesagt – empört. Trotzdem habe er die Rechnung bezahlt und die vom Anwalt verlangte Unterschrift auf der Anerkenntnisurkunde geleistet. „Das ist so etwas von lächerlich. Meine Kühe haben dort keine sichtbaren Flurschäden hinterlassen“, stellt er fest. „Wahrscheinlich muss man die Viehspuren mit der Lupe suchen.“ Das finanzielle Risiko, gegen die Klagspartei zu prozessieren, möchte er allerdings nicht eingehen.

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„Ich bin heute der letzte und einzige Bauer im Ortsteil Steinig. Wenn einem derartige Prügel vor die Füße geworfen werden, wie soll man da noch motiviert sein, die Landwirtschaft weiter zu betreiben“, fragt er sich.

In Hinkunft werde er sein Vieh jedenfalls nicht mehr auf die Vadiesner Herbstweide treiben. Die Stalltüre zusperren ist für ihn andererseits (noch) kein Thema. Nach der Negativ-Erfahrung mit den Hausbesitzern denkt er sich allerdings: „Bei diesen Schikanen wäre es nicht verantwortbar, die Landwirtschaft den Kindern zu übergeben.“

„Es ist unfassbar, wie negativ unsere bäuerliche Arbeit von manchen Leuten gesehen wird“, sagte Kammer-Geschäftsführer Otmar Juen. (hwe)