Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.12.2015


Innsbruck

Der Heilige mit dem Hotdog: Vandalenakte nehmen zu

Der Bischofsstab ist wieder einmal weg, stattdessen hält der heilige Vigilius ein Hotdog in der Hand, sein Mund ist mit Ketchup beschmiert.

© Andreas Rottensteiner / TTDer Bischofsstab ist wieder einmal weg, stattdessen hält der heilige Vigilius ein Hotdog in der Hand, sein Mund ist mit Ketchup beschmiert.



Innsbruck – War es ein­e vermeintliche Mut­probe oder einfach eine „b’soffene G’schicht“? Die Annasäule in der Maria-Theresien-Straße, unter Innsbrucks Denkmälern wohl beliebtestes Ziel von Vandalen, wurde wieder einmal beschädigt. Der Bischofsstab des hl. Vigilius an der Ostseite des Denkmals fehlt, und das nicht zum ersten Mal. Nach 1996, 2012 und 2013 waren ihm nur zwei Jahr­e Pause vergönnt. Im Juli hatten Unbekannte außer­dem den Arm des hl. Georg abgerissen und eine Laterne gestohlen.

„Ich bin kein Freund von Kameras. Aber hier sollten dringend welche angebracht werden“, sagt Steinrestaurator Johannes Stephan Schlögl, der den Diebstahl beim Vorbeigehen zufällig entdeckt hatte und der Polizei meldet­e. Angesichts der vielen Sachbeschädigungen ist er beruflich mehrmals im Jahr bei der Annasäule beschäftigt. „Den abgerissenen Arm des hl. Georg haben wir vorsorglich gleich zweimal nachgegossen – falls er wieder beschädigt wird.“ Heiligen-Ersatzteile in Serienproduktion sozusagen.

Die Annasäule ist in Besitz des Landes. „Letzten Endes müssen wir das alle bezahlen. Das sind keine harmlosen Scherze mehr, sondern üble Streiche, die jedes Mal Kosten in Höhe von Tausenden Euro verursachen“, so Schlögl.

Der etwa zwei Meter lang­e, vergoldete Bischofsstab wurde nach dem letzten Diebstahl fixiert, genützt hat das aber nichts. Damals war der Krummstab einem Passanten aufgefallen, die Diebe hatten ihn an einem Gartenzaun abgestellt. Der engagiert­e Wiltener, glücklicherweis­e ein Kunstliebhaber, machte sich selbst auf die Suche und kam schließlich auf den hl. Vigilius, der mit leeren Händen dastand. Der Dieb wurde nie gefunden. Ob er nun wieder zugeschlagen hat, ist genauso ungeklärt wie die Frage, ob er selbst dem Heiligen einige Tage später das Hotdog in die Hand legte oder ein Scherzbold zeigen wollte, das ihm nichts heilig ist.

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Laut Manfred Dummer von der Landespolizei­direktion nehmen Sachbeschädigungen auch von öffentlichem Gut stark zu: Tirolweit waren das im vergangenen Jahr 261 Fäll­e, ein Drittel wurde geklärt. 2013 waren 154 Beschädigungen angezeigt worden. In Innsbruck wurden 2014 insgesamt 56 Vorfälle gemeldet, im Jahr zuvor elf, Aufklärungsrate rund 50 Prozent. (ms)

Die Annasäule in der Maria-Theresien-Straße.
Die Annasäule in der Maria-Theresien-Straße.
- Andreas Rottensteiner / TT