Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.01.2016


Tirol

Cannabis dominiert Tiroler Szene, Konsumenten immer jünger

© EPASymbolfoto.



Innsbruck – Dass, wie zuletzt auf einer Silvesterfeier, synthetische Drogen in Tirol vorkommen, ist eher selten. Der aktuelle Suchtmittelbericht des Bundeskriminalamts in Wien zeigt zwei Dinge. Erstens, dass die Zahl der Anzeigen wegen Suchtmitteldelikten österreichweit um sieben Prozent gestiegen ist. Zweitens, dass sie in Tirol im Jahr 2014 allerdings um zehn Prozent zurückging.

Dabei macht der Polizei vor allem die Verharmlosung von Drogenbesitz und -missbrauch zu schaffen. Sowie die Tatsache, dass jene, die mit Drogen in Berührung und deshalb mit der Polizei in Konflikt kommen, immer jünger werden. Die Anzeigen gegen 14-bis 18-Jährige stiegen um 15,83 Prozent. Ein Trend, der auch bundesweit zu verfolgen ist. Auch das Verhalten der Jugendlichen habe sich geändert: Es werden ganz offen Drogen konsumiert. Cannabis bzw. Marihuana war in Tirol 2014 (der Suchtmittelbericht wird immer erst im Herbst veröffentlicht) dabei jene Substanz, die am häufigsten (insgesamt über 3000-mal) sichergestellt wurde. 133-mal wurde von den Beamten Heroin, 313-mal Kokain, 79-mal Ecstasy, 148-mal Amphetamine konfisziert. In der Innsbrucker Szene kommen die Drogen häufig aus Norditalien und werden oft von illegal aufhältigen Nordafrikanern verkauft. Damit einhergehend kommt auch die Beschaffungs-, Begleit- und Folgekriminalität. 2014 gab es bundesweit über 30.000 angezeigte Suchtmitteldelikte. Der Verkaufswert der aus dem Verkehr gezogenen Drogen beläuft sich auf rund 18 Millionen Euro. Jeder Zweite, der mit Drogen in Berührung kommt, ist ohne Beschäftigung. (TT)