Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.03.2016


Exklusiv

Streit um Heizkosten ohne Lösung

Die (Nicht-)Heizgewohnheiten in einem Wohnblock beschäftigen die Gerichte. Dabei geht es um Gerechtigkeit und Geld.

Symbolfoto.

© BöhmSymbolfoto.



Innsbruck – „Meine Heizkosten sind nicht der Rede wert“, erzählt der Mieter einer Stadtwohnung im Innsbrucker O-Dorf: „Ich dreh die Heizung nie auf, trotzdem fällt die Temperatur im Winter kaum unter 20 Grad.“ Der Familienvater ist kein Einzelfall – viele seiner Nachbarn sitzen ebenfalls kostengünstig trotz kalter Heizkörper in warmen Stuben. Was die Mieter freut, sorgt bei der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) für Verdruss. Die Heizverweigerer bzw. die Suche nach einem gerechten Abrechnungsmodus beschäftigen mittlerweile sogar die Gerichte.

Der Wurzel des Übels sei die Bauweise der Heizungsanlage, verrät Bernhard Matt von der IIG: „Aus unerfindlichen Gründen wurden die Zulaufrohre der Heizkörper vor Jahrzehnten so verlegt, dass sie wie eine Fußbodenheizung wirken.“ Und so für warme Wohnungen sorgen, obwohl die Heizkörper kalt bleiben. Das Problem: Diese „Fußbodenheizung“ ist nicht in jeder Wohnung des Hauses gleich wirksam. „Es gibt durchaus Mieter, die die Heizung voll aufdrehen müssen“, sagt Matt. Und diese Pechvögel sind es dann auch, die zumindest nach dem herkömmlichen Abrechnungssystem einen Großteil der Heizkosten fürs ganze Haus tragen müssten. Was zu Härtefällen führen kann: So erhielt vor einigen Jahren ein Bewohner eine Heizkostenrechnung über 3000 Euro.

„Wir können ja genau sagen, wie hoch die Heizkosten für das gesamte Gebäude sind“, sagt Matt. Und diese Kosten werden dann entsprechend der Messergebnisse aliquot auf die Mieter aufgeteilt. Mit dem Ergebnis, dass die „Nicht-Heizer“ wenig bis gar nichts zahlen, während die „Heizer“ die Kosten fürs ganze Haus tragen müssen.

Eine Ungerechtigkeit, mit der bereits die zuständige Schlichtungsstelle befasst war: „Wir haben beantragt, die Heizkosten nicht mehr nach den Messergebnissen, sondern nach den Quadratmetern abzurechen“, sagt Matt. Ein Vorschlag, den die Schlichtungsstelle befürwortete. Ein Teil der Mieter war allerdings nicht einverstanden: weil bei der Flächen-Berechnungsmethode jeder hemmungslos die Heizkörper aufdrehen würde.

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Mit diesem Argument zogen die Mieter zuerst vors Bezirks-, dann vors Landesgericht: Ohne Ergebnis – „da sich auch zwei Eigentumswohnungen im Haus befinden haben die Mieter keine Parteienstellung, können also nicht klagen“, sagt Matt. Eine Lösung steht noch aus. (tom)