Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.03.2016


Tirol

Radl-Diebe haben immer Saison

In Tirol wurden im Vorjahr laut VCÖ 2253 Fahrräder – also sechs pro Tag – gestohlen. Das ist Österreich-Rekord. In der Praxis landen viele Räder oft nur in einem anderen Stadtteil.

© Thomas Boehm / TTRadhauptstadt Innsbruck: Immer wieder passiert es Radbesitzern, dass sie plötzlich ohne ihr Sportgerät dastehen. Symbolfoto



Von Marco Witting

Innsbruck – Alle vier Stunden wechselt in Tirol ein Fahrrad unbeabsichtigt den Besitzer. Diebstahl. 2235 gab es davon laut Verkehrsclub Österreich in Tirol 2015. So sagt es die Statistik. Doch viele als gestohlen gemeldete Räder landen nur ein paar Straßen weiter – und weil sie damit unauffindbar sind, letztlich in den statistischen Erhebungen. Dabei wäre der Ärger um gestohlene, „geliehene“ oder nicht mehr auffindbare Fahrräder vielfach auch vermeidbar.

Jeder zweite Fahrraddiebstahl passiert laut der VCÖ-Statistik, die auf Zahlen des Innenministeriums beruht, in Innsbruck. Die Landeshauptstadt ist damit österreichweit jene Stadt, in der pro 1000 Einwohner die meisten Fahrräder gestohlen werden. Nur 93 Fahrraddiebstähle in Tirol konnten laut der Erhebung aufgeklärt werden. VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fordert deshalb „sichere Abstellplätze“, weil fehlende Parkmöglichkeiten den Dieben das Handwerk erleichtern würden. Innsbruck liege auch deshalb an der Spitze der Statistik, weil hier besonders viel mit dem Rad gefahren werde.

Für Hubert Rimml vom Kriminalreferat des Stadtpolizeikommandos gibt es zwischen den Zahlen und der Realität dann doch einen großen Unterschied. Denn nicht jedes als gestohlen gemeldete Rad habe auch dauerhaft den Besitzer gewechselt. Oft stehe das Radl ein paar Häuserzeilen weiter. „Es ist durchaus so, dass rund um die Ballungszentren Räder oft Wochen oder Monate unberührt stehen und irgendjemand nimmt sie dann mit. Dann gibt es speziell in Innsbruck rund um den Bahnhof unversperrt abgestellte Räder, die von Nachtschwärmern für einen Ausflug missbraucht werden und dann drei Straßen weiter stehen. Aber niemand findet sie mehr.“

Die Räder zu finden, ist dann „unmöglich“. Sowohl für den einstigen Besitzer als auch für die Polizei. Weil: „Die Fahrradcodierung von früher gibt es nicht mehr. Heutzutage gibt es zwar noch eine Rahmennummer, doch die wissen viele Menschen gar nicht“, sagt Rimml. Unter dem Tretkurbelgehäuse befindet sich bei den allermeisten Rädern dieser Code, der bei der Identifizierung des Drahtesels hilft. Bei unbefugt benutzten und irgendwo abgestellten Rädern ist eine Zuordnung ohne diese trotz Anzeige oft kaum möglich. Diebe haben dann ein leichtes Spiel, wenn die Nummer nicht im Fahndungssystem aufscheint.

„Die Sicherung ist das Um und Auf“, sind sich die Experten von VCÖ und Polizei einig. „Man sollte die Räder auch immer an einen Ständer hängen, weil sonst kann ein Dieb das Rad auch einfach so auf die Schultern heben und wegtragen“, sagt der erfahrene Polizist, der die Situation mit Rädern im Frühling und Sommer mit jener von Skidiebstählen im Winter vergleicht.

Auch in Kellerabteilen sollten Räder mit starken Schlössern gesichert werden. Denn kriminelle Banden seien oft vor allem darauf spezialisiert, hochwertige und teure Mountainbikes und Rennräder aus Kellern zu stehlen.

Ende vergangenen Jahres fand die Polizei an der Bundesstraße bei Zirl beispielsweise zwölf zum Abtransport vorbereitete Räder. Sie dürften von einer Diebestour stammen. Die Räder zuzuordnen, war dann aber nur noch teilweise möglich.