Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 22.05.2016


Tirol

Berufung gegen Alpin-Urteil

Ein Bergsteiger erlitt Erfrierungen an den Zehen. Die 30.139-Euro-Klage gegen die Unfallversicherung des Tirolers wurde vom OLG abgewiesen. Dagegen richtet sich nun eine außerordentliche Revision an den Obersten Gerichtshof.

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© Irene RappSymbolbild



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Im April stellte das Oberlandesgericht (OLG) nach einer Klage auf Invaliditätsentschädigung durch einen Bergsteiger fest, dass Erfrierungen, die im hochalpinen Bereich durch einen normalen Wetterumschwung ausgelöst wurden, keinen Unfall darstellen würden. Die 30.139-Euro-Klage gegen die Unfallversicherung des Tirolers, dem nach Erfrierungen an den Zehen eine fünfprozentige Invalidität zuerkannt worden war, wurde abgewiesen.

Laut OLG läge ein Unfall nur vor, wenn man durch ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis eine Gesundheitsschädigung erleidet. Da es aber bei der Bergsteigerroute nur zu einem in solchen Höhen nicht ungewöhnlichen Wind, aber nicht einmal zu einem Wetterumschwung gekommen war, fehle in diesem Fall das für einen Unfall charakteristische überraschende Moment. Als Beleg dafür sah das OLG an, dass beide Bergsteiger ja nicht einmal umkehren mussten, sondern die Tour noch wie geplant beenden konnten. Auch das „für den Unfallbegriff wesentliche Element des unerwarteten Verlaufs sei nicht gegeben, da man bei hochalpinen Touren mit Faktoren wie bei dieser Tour rechnen müsse“.

Gegen diese Rechtsansicht richtet sich nun eine außerordentliche Revision an den Obersten Gerichtshof. Rechtsanwalt Christian Fuchs stellt den Urteilsansatz für Alpinisten in Frage. So legt Fuchs dar, dass es bei dem Wetterumschwung auf knapp 4000 Metern dem Kläger nur deshalb gelungen war weiterzugehen, weil er auch unter seinesgleichen überdurchschnittlich gut trainiert war. Andernfalls könnten Böen in dieser Höhe für Alpinisten mit durchschnittlicher Kondition und Erfahrung letztlich den Tod bedeuten, da sie auch kein Hubschrauber retten könne. Ebenso sei an ein Umdrehen bei so einem Schneesturm nicht mehr zu denken.

So würde dieses Ereignis für einen Durchschnittsbergsteiger sehr wohl einen alpinen Notstand und ein unabwendbares Ereignis – somit einen Unfall bedeuten. Das Höchstgericht habe nun zu klären, ob man schlechter behandelt werden dürfe, nur weil man besser trainiert und erfahrener sei. Solche Top-Alpinisten dürften nicht einem strengeren Beurteilungsmaßstab unterliegen, indem man bei ihnen einen Überraschungsmoment verneint.

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