Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.06.2016


Landesgericht

Verleumdung: Bauer redete Jäger vor das Strafgericht

Ein Tierquäler-Prozess, ein toter Hund und die große Wende: Freispruch für den Jäger und Anklage wegen Verleumdung für den Bauern.

Landesgericht Innsbruck.

© TT/Thomas BöhmLandesgericht Innsbruck.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Schon eine halbe Stunde vor Prozessbeginn saßen gestern am Landesgericht ein 62-jähriger Landwirt und ein bekannter Jäger aus Osttirol vor ihrem Verhandlungssaal. Anklage: Tierquälerei. Laut Aussagen des Bauern vor der Polizei hatte er nämlich den ihm gut bekannten Jäger damit beauftragt, einen acht Monate alten Spitz aus einem Wurf zu erschießen, für den er auch für 65 Euro kein Herrchen finden konnte. Solch ein „mutwilliges Töten eines Wirbeltiers“ ist seit heuer mit bis zu zwei Jahren Haft zu bestrafen.

Ein Umstand, der bei dem Duo noch nicht angekommen sein dürfte. Doch bevor es zum Tatablauf ging, ließ es der Jäger am Gerichtstisch hörbar krachen: „I glab’s nit, dass i jetzt do sitz. I bin seit 50 Jahr’ Jäger, aber so viel Dummheit hab’ ich noch nicht gesehen. A den Hund hab’ ich nie gesehen!“, schrie der Jäger. Im Gegenteil zum Verhalten vor der Osttiroler Polizei im Jänner. Dort hatte er nämlich die Aussage verweigert. Der Bauer versuchte darauf nur ganz kurz, Strafrichter Norbert Hofer eine Geschichte von einem Rosstritt gegen den Hund aufzutischen – bis er unter strengem Blick zugestand, dass er den Hund mit seinem Schlachtschussautomat selbst erschossen hatte. Der Jäger sollte dann Ausrede für den Amtstierarzt sein: „I zohl do nit fürs Einschläfern. Und ein Jäger darf des. Der derschießt doch übers Jahr einen Haufen streunende Hunde und Katzen!“, argumentierte der Landwirt: „42 Jahr’ Bauer und jetz in Innsbruck draußen wegen an jungen Hund!“, schüttelte er den Kopf und wollte einfach nicht verstehen, was zwischen dem Spitz und streunenden Tieren für ein Unterschied sein sollte.

Staatsanwältin Erika Wander blieb da nichts anderes übrig, als den Bauern wegen Verleumdung des Jägers anzuklagen. In zwei Monaten geht es deshalb mit Verteidiger erneut ans Landesgericht – Strafrahmen jetzt: bis fünf Jahre Haft. Der Jäger wurde sofort freigesprochen.

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