Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.06.2016


Exklusiv

Tiroler Spielhöllen setzen auf Tablets

Automaten sind out, Tablets in: Betreiber von illegalen Spiellokalen gehen neue Wege, um die Behörden auszutricksen. Dabei spielen Kleincomputer eine wichtige Rolle.

Für die Polizei ist schwer erkennbar, ob der Lokalgast ein privates Tablet verwendet oder ein illegales Glücksspiel wagt. (Symbolfoto)

© iStockFür die Polizei ist schwer erkennbar, ob der Lokalgast ein privates Tablet verwendet oder ein illegales Glücksspiel wagt. (Symbolfoto)



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die beiden Männer schwitzen. Mühsam tragen sie einen sperrigen Spielautomaten aus einem Lokal im Westen von Innsbruck und heben den illegalen Geldesel auf die Pritsche eines Lieferwagens. Offenbar ist der Kontrolldruck durch die Behörden und damit das Risiko zu groß geworden.

Tatsächlich scheint die Zeit der mittlerweile verbotenen Geräte abgelaufen. Immer öfter kleben Amtssiegel auf den Eingängen der Spiellokale, immer öfter stehen die Zocker vor behördlich geschlossenen Türen. Doch die illegale Glücksspiel-Szene gibt sich nicht geschlagen. Immer mehr Betreiber setzen auf kleine Tablets anstelle der ebenso klobigen wie auffälligen Automaten. Das Kalkül: ein Gast, der am Tresen auf (s)einem Kleincomputer herumtippt, erregt bei einer Kontrolle keinen Verdacht. Dass das Tablet im Besitz des Lokalbetreibers und nicht des Kunden ist, fällt nicht weiter auf. Ebenso wenig das kleine Programm auf der Festplatte, das aus dem Kleincomputer ein illegales Glücksspielgerät macht. „Wenn ein Gast spielen will, nennt er dem Wirt einfach das gewünschte Guthaben und zahlt den Betrag“, beschreibt ein Zeuge seine Erfahrungen in einem Innsbrucker Innenstadt-Spiellokal: „Der Betreiber gibt die Summe ins Programm ein und schon kann’s losgehen.“

Dass der neue Trend mittlerweile in Tirol angekommen ist, bestätigt auch ein Innsbrucker Detektiv: „Ich hab’ bei Recherchen in drei Lokalen festgestellt, dass statt der Glücksspielautomaten Tablets verwendet werden.“

Eine Entwicklung, mit der bereits die zuständige Finanzpolizei befasst ist: „Wir wissen davon und stoßen bei Kontrollen immer öfter auf diese Geräte“, sagt Thomas Wörgötter, Chef der Tiroler Finanzpolizei, „unsere Ermittlungen werden dadurch nicht leichter.“ Weil schwer zu unterscheiden ist, ob das Tablet dem Gast gehört oder vom Lokalbetreiber zur Verfügung gestellt wurde. Erst eine Datenanalyse durch IT-Spezialisten bringt endgültig Gewissheit, ob es sich beim Kleincomputer um ein Gerät handelt, das illegales Glücksspiel ermöglicht. Außerdem kann man ein Tablet schnell und einfach verschwinden lassen, einen klobigen Spielautomaten nicht. Vor allem, wenn Aufpasser auf der Straße rechtzeitig Alarm schlagen – eine Methode, die zumindest in Innsbruck mittlerweile durchaus gängig ist.

Dass die illegale Glücksspielbranche unter dem Druck der Behörden nach neuen Wegen sucht, ist angesichts der enormen Umsätze nachvollziehbar: Wie die Ermittlungen der Finanzpolizei ergaben, nehmen die Betreiber pro Automat und Monat zwischen 10.000 und 50.000 Euro ein. In Einzelfällen schaffen Spitzengeräte sogar Umsätze von 100.000 Euro und mehr. So mancher erfolglose Vorstadtwirt konnte in der Vergangenheit mit ein oder zwei Spielautomaten seine angespannten Finanzen sanieren und auf einen Mercedes umsteigen.