Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.08.2016


Tirol

Mehr Drogendelikte: Handel in Bezirken und Indoor-Plantagen

Private Cannabisplantagen boomen, nordafrikanische Tätergruppen entdecken die Bezirke als Märkte. Das geht aus dem aktuellen Suchtmittelbericht des Innenministeriums hervor.

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Innsbruck – Ein Plus an Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz von 11,7 Prozent im Vergleich zu 2014. Mit diesem Wert liegt Tirol im jüngst präsentierten Suchtmittelbericht des Innenministeriums für das Jahr 2015 im Bundesländervergleich auf Rand drei – hinter Wien (+21,8 Prozent) und Salzburg (+17 Prozent). Insgesamt gab es im Vorjahr in Tirol 3970 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Suchtmittelgesetz, wobei rund 60 Prozent der Delikte auf das Konto von Inländern und 40 Prozent auf jenes von Ausländern gehen.

Laut dem Bericht waren es im Vorjahr erneut nordafrikanische Tätergruppierungen, die im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Suchtmittelgesetz in Tirol in Erscheinung getreten sind. In erster Linie in der Stadt Innsbruck, mittlerweile aber auch vermehrt in den Bezirken Innsbruck-Land, Schwaz, und Kufstein bringen sie vorwiegend Cannabisprodukte, aber auch Kokain in Verkehr. Bei den Abnehmern handelt es sich größtenteils um Österreicher, aber auch um Konsumenten aus dem grenznahen Ausland: Italien und Deutschland. Der Nachschub der illegalen Suchtmittel kommt aus dem oberitalienischen Raum um Turin, Mailand und Bolognia sowie – wenn auch seltener – aus Belgien. 120 bis 150 Personen gehören aktuell dieser Szene an. Sie sind laut Exekutive auch für Raubüberfälle, Einbruchdiebstähle, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen im eigenen Kreis verantwortlich.

Erneut einen Anstieg verzeichnete die Polizei bei der Erzeugung von Cannabiskraut in den eigenen vier Wänden. In Tirol wurden 2015 61 Indoor-Plantagen und drei Outdoor-Plantagen beschlagnahmt. Verwendet wurden für die Aufzucht der Pflanzen im Handel erhältliche Bausätze in Kastenform, in denen zwischen zehn und 50 Stück Cannabispflanzen gezogen werden. Cannabis führt als Droge außerdem mit Abstand die Liste beim Konsumverhalten an. Auf den Plätzen folgen Kokain, Amphetamin und XTC. Einen Rückgang verzeichnete die Polizei hingegen bei den so genannten neuen psychoaktiven Substanzen.

Im Jänner 2015 wurde in Wörgl eines von insgesamt zehn in Österreich entdeckten Drogenlaboren ausgehoben. Ein 25-jähriger Chemiestudent hatte beabsichtigt, dort Amphetamin in großen Mengen herzustellen. Die vorgefundenen Utensilien hätten laut Suchtmittelbericht im Idealfall für 45 Kilogramm gereicht.

Weiter im Entstehen und damit für die Tiroler Exekutive künftig immer relevanter ist der Drogenmarkt im Darknet. Über verschlüsselte Verbindungen im Internet versorgten sich heimische Konsumenten 2015 auf diesem Weg mit illegalen Drogen. Einzelne Personen bezogen so über den Zeitraum eines Jahres größere Mengen Kokain und vor allem Amphetamin auf dem Postweg aus Deutschland und den Niederlanden. Zur Finanzierung des eigenen Bedarfs und Lebensunterhaltes betrieben die Beschuldigten auch Handel mit illegalen Suchtmitteln. „Im Rahmen der herkömmlichen Ermittlungen ist zukünftig ein besonderes Augenmerk auf illegale Handelsaktivitäten im Darknet zu richten“, heißt es dazu im Suchtmittelbericht. (np)


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