Letztes Update am Fr, 26.08.2016 12:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Südafrika

Richterin lehnte Berufung ab: Keine höhere Strafe im Fall Pistorius

Der Staatsanwalt wollte eine längere Haftstrafe für Oscar Pistorius erreichen. Die Berufung wurde abgelehnt.

Oscar Pistorius ist laut Staatsanwaltschaft zu milde abgeurteilt worden.

© REUTERSOscar Pistorius ist laut Staatsanwaltschaft zu milde abgeurteilt worden.



Pretoria – Das Strafmaß im Fall des früheren Spitzensportlers Oscar Pistorius wird nicht neu verhandelt. Richterin Thokozile Masipa lehnte am Freitag einen Antrag der Anklage ab, gegen das von ihr in zweiter Instanz verhängte Strafmaß in Berufung zu gehen. Die Verurteilung des 29-Jährigen wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft bleibt bestehen.

Staatsanwalt Gerrie Nel hatte das Strafmaß als „schockierend milde“ bezeichnet. Er wollte mit einer Berufung ein höheres Strafmaß durchsetzen. Der unterhalb seiner Knie amputierte frühere Sprinter Pistorius hatte 2013 seine damalige Freundin erschossen.

Gleiche Richterin entscheidet über Berufung

Richterin Thokozile Masipa musste selbst über den Antrag auf Berufung gegen das von ihr im Juli verhängte Strafmaß entscheiden.

Das Gesetz in Südafrika sieht für Totschlagsdelikte ein Strafmaß von mindestens 15 Jahren Haft vor. Richter haben jedoch im Fall besonderer, mildernder Umständen Spielraum, eine geringere Strafe zu verhängen. „Es ist schockierend, bei einem Ausgangspunkt von 15 Jahren eine Strafe von nur sechs Jahren Haft zu verhängen“, sagte Nel. Ein anderes Gericht werde wahrscheinlich ein anderes Strafmaß verhängen, daher müsse die Berufung gewährt werden.

Tod bewusst in Kauf genommen

Der 29-Jährige frühere Sprinter tötete Steenkamp am Valentinstag 2013 in seinem Haus durch eine geschlossene Toilettentür mit vier Schüssen. Er beteuerte stets, Einbrecher hinter der Tür vermutet zu haben. Staatsanwalt Nel betonte jedoch, dass Pistorius bisher keine plausible Erklärung dafür gegeben habe, wieso er ohne Warnung durch die Tür geschossen habe. Selbst wenn er geglaubt habe, auf einen Einbrecher zu zielen, sei dem geübten Schützen die mögliche Todesfolge seiner Schüsse klar gewesen, sagte Nel. „Der Tod der Person hinter der Tür war für ihn ein klares und offensichtliches Ergebnis seiner Handlung.“

In erster Instanz wurde Pistorius 2014 wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Pistorius wurde schon nach Absitzen von rund einem Jahr Haft in den Hausarrest entlassen. Den verbrachte er in der Luxusvilla seines Onkels in Pretoria. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch Berufung ein und erzielte Ende 2015 in zweiter Instanz eine Verurteilung wegen „Mordes“. Der Tatbestand entspricht im österreichischen Rechtssystem dem Totschlag. Daraufhin verhängte Richterin Masipa im Juli das neue Strafmaß von sechs Jahren Haft. Seither ist Pistorius erneut in Pretoria inhaftiert. (APA/dpa)