Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.08.2016


Exklusiv

Auch Taxler wollen sich in Tirol bewaffnen

Immer mehr Taxifahrer fühlen sich bedroht und wollen sich mit Waffen wappnen. Für die Behörden ist dieser Wunsch jedoch unverhältnismäßig.

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Innsbruck – Die Anzahl der Waffenbesitzer ist im heurigen Jahr sprunghaft gestiegen. Um 11,4 Prozent mehr Waffenpässe wurden ausgestellt, in Österreich gibt es 961.342 Waffenbesitzer. Auch Tirol verzeichnete ein Plus von elf Prozent. Diese Zahlen dürften wohl auch mit dem Sicherheitsgefühl der Menschen in Verbindung zu bringen sein. Auch unter verschiedenen Berufsgruppen steigt der Wunsch, eine Faustfeuerwaffe (Pistole oder Revolver) zu führen. So auch unter den Taxlern. Erstmals hat jetzt ein Taxler in Tirol einen Waffenpass beantragt, doch sein Ansinnen wurde von der Bezirkshauptmannschaft abgelehnt.

Seinen Wunsch auf Ausstellung eines Waffenpasses begründete der Tiroler Taxifahrer damit, dass er seit einiger Zeit einen kontinuierlichen Anstieg an Aggressionen feststelle. Er arbeite für ein Taxi­unternehmen, welches ihn oft in entlegene Gebiete schicke, wo er dann auf sich allein gestellt sei. Auch sei er mehrmals bedroht worden. Deshalb wolle er sich selbst schützen. Als nicht nützlich bezeichnet er die üblichen Abwehrmittel wie Pfefferspray oder Elektro­schocker.

Die notwendige Verlässlichkeitsprüfung für die Ausstellung eines Waffenpasses stellte kein Problem dar, doch bei der Gesamtbeurteilung legen die Behörden gerade bei möglicherweise gefährdeten Berufsgruppen, zu denen Taxler, Lokalbesitzer, Exekutivbeamte, Geldtransportfahrer oder Tankstellenbesitzer zählen, einen besonders strengen Maßstab zum Führen von Schusswaffen an. Weil im Hinblick auf das „gewichtige öffentliche Interesse an der Abwehr mit dem Gebrauch von Waffen Gefahren verbunden sind“, wie es heißt.

Insgesamt wäre für die Behörden die Gefahr zu groß, dass beim Gebrauch der Schusswaffen auch unbeteiligte Personen zu Schaden kommen könnten. Oder ein mutmaßlicher Täter könnte in einem Gerangel dem Taxler die Waffe entreißen. „Da die Bekämpfung einer etwaigen Gefahrensituation durch Waffengewalt auch zu einer erheblichen Gefährdung Unbeteiligter führen kann, zumal der Versuch, Gefahrensituationen mit Waffengewalt hintanzuhalten, eine Erhöhung der Gefährlichkeit solcher Situationen mit sich bringen kann“, bestätige das Landesverwaltungsgericht den negativen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft, den der Taxilenker bekämpft hatte.

Die BH hatte nämlich zuvor bereits argumentiert, dass der betroffene Taxler bloß mit allgemeinen bzw. spekulativen Umschreibungen von Gefahrensituationen argumentiere, die auf Vermutungen basieren würden. Es sei daher eine konkrete Gefährdung oder eine konkrete ernstzunehmende Drohung, der nur mit Waffengewalt wirksam zu begegnen wäre, nicht erkennbar. Angesichts des dargestellten Gefährdungspotenzials des Taxifahrers weist das Landesverwaltungsgericht abschließend daraufhin, dass sich sinngemäß bei diesem Gedankengang jeder Taxilenker in Österreichs bewaffnen müsste, „was nicht zweckmäßig wäre und gegenteilige Effekte bewirken könnte“. (pn)


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