Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.08.2016


Tirol

Mit der Axt auf Kreuzzug: Gipfelkreuze im Grenzgebiet gefällt

Ein Gipfelkreuz-Schänder sorgt seit Monaten an der deutsch-österreichischen Grenze im Karwendel für Unruhe. Dreimal hat er schon zugeschlagen.

© DAV Sektion Bad TölzDas gefällte Gipfelkreuz vom deutsch-österreichischen Grenzberg Schafreuter (2102 Meter) soll noch heuer ersetzt werden.



Von Gabriele Starck

Bad Tölz, Eben a. A. – Als der Polizeihubschrauber am Sonntag über den Schafreuter fliegt, ist der Täter schon über alle Berge. Das Kreuz am Gipfel des deutsch-österreichischen Grenzbergs zwischen Hinter- und Vorderriß im Karwendel ist nicht mehr zu retten. Die Axt ging zu tief, es hätte keinem starken Wind mehr standgehalten.

„Das ist der Gipfel“, titelt die Süddeutsche Zeitung und trifft damit die Stimmung der Menschen vor Ort. „Die Aufregung bei den Wanderern ist groß“, erzählt Michael Bubeck, Wirt der Tölzer Hütte (DAV), die auf der österreichischen Seite des 2102 Meter hohen Schafreuters liegt. Kein Wunder, hat der Gipfelkreuz-Hacker doch schon dreimal zugeschlagen.

Ganz hat der Unbekannte am Sonntag sein Werk nicht vollendet. Das überließ er der Polizei.
- Polizei Bad Tölz

Das erste Kreuz bei der Dudl-Alm dürfte bereits zu Pfingsten seiner Axt zum Opfer gefallen sein. Bemerkt wird das von den Almpächtern erst später, bei der Polizei angezeigt vorerst nicht. Erst als am letzten Juliwochenende das zweite Kreuz am Prinzkopf fällt, wird die Öffentlichkeit aufmerksam. Die Tat auf dem auch „Östliches Torjoch“ genannten Grenzberg wird sogar von Viehhütern mit dem Fernglas beobachtet. Den Gipfelkreuzjäger stört das nicht – im Gegenteil: Auf einer Viehalm nicht weit entfernt habe er sich danach sogar mit der Gipfelkreuz-Fällung am Prinzkopf gebrüstet, berichtet Josef Mayr von der Bad Tölzer Polizei. Anhaltspunkte für die Triebfeder des Täters hat die Polizei nicht. Religiöse Motive seien aber durchaus denkbar, meint Mayr. Jemand, der die Berge von religiösen oder speziell christlichen Symbolen befreit haben will. Doch das alles seien nur Vermutungen.

Bis auf eine nahezu übereinstimmende Personenbeschreibung haben die Ermittler daher noch nichts in der Hand. Demnach ist der Mann Mitte 30, 1,80 Meter groß und recht kräftig. Die Zeugen gaben zudem an, einen ausländischen Akzent wahrgenommen zu haben. Mayr bittet Wanderer, die Augen offen zu halten, Fotos mit dem Handy zu machen und sich sofort bei der Polizei zu melden, wenn sie den Kreuz-Hacker sehen. „Nur so haben wir eine Chance, ihn zu erwischen“, betont der Bad Tölzer Vize­polizeichef. Auf österreichischer Seite habe man jedenfalls noch nichts von dem Vandalen bemerkt, heißt es auf Nachfrage.

Hüttenwirt Bubeck jedenfalls beruhigt: „Die Leute dürfen jetzt nicht in Panik verfallen. Es waren ja immer Menschen zur Tatzeit in der Nähe, und er hat nie jemanden bedroht.“ Er ist überzeugt, dass für die Wanderer keine Gefahr besteht.