Letztes Update am Mo, 17.10.2016 07:25

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Justiz und Kriminalität

Nach Fund von DNA-Spuren: Sonderkommission nimmt Arbeit auf

Ein DNA-Fund des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt unweit der sterblichen Überreste der neunjährigen Peggy aus Oberfranken schreckt auf. Gab es etwa Parallelen zu Kindtötungen in Thüringen? Die Polizei will nun ungeklärte Fälle erneut untersuchen.

In diesem Waldstück nahe Rodacherbrunn (Thüringen) wurde die Leiche von Peggy entdeckt.

© dpaIn diesem Waldstück nahe Rodacherbrunn (Thüringen) wurde die Leiche von Peggy entdeckt.



Erfurt/Jena – Nach der Entdeckung von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der Leiche der kleinen Peggy will eine neue Sonderkommission der Thüringer Polizei ungeklärte Fälle von Kindstötungen nach 1990 unter die Lupe nehmen. Die Ermittler reagieren damit auf die Sicherstellung von Genmaterial Böhnhardts in der Nähe der sterblichen Überreste der getöteten neunjährigen Peggy aus Oberfranken. An diesem Montag will die Kommission ihre Arbeit aufnehmen.

In Jena, wo das mutmaßliche NSU-Trio um Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aufgewachsen war, gab es in den 90er Jahren drei Kindsmorde. Zwei von ihnen sind noch immer nicht geklärt.

Am Donnerstag hatten die Ermittler überraschend mitgeteilt, dass am Fundort der Skelettteile der 2001 verschollenen Peggy aus Oberfranken Genmaterial von Böhnhardt entdeckt worden war. Die damals Neunjährige war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden. Erst im Juli waren Skelettteile von ihr in einem Wald im benachbarten Thüringen entdeckt worden.

In Thüringen gibt es nach Angaben des Innenministeriums seit 1990 etwa 70 ungeklärte Fälle, wie viele davon Kinder sind, war nicht bekannt. 1993 verschwand in Jena ein Neunjähriger, er wurde zwölf Tage später tot am Ufer der Saale in einem Gebüsch gefunden. Böhnhardt war damals einer der Verdächtigen. Ihm konnte jedoch nichts nachgewiesen werden. Auch das Verschwinden und der Tod einer Zehnjährigen aus Jena 1996 konnte bislang nicht aufgeklärt werden.

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Der aus Thüringen stammende Rechtsextremist Böhnhardt soll mit seinem mutmaßlichen Komplizen Mundlos jahrelang unerkannt gemordet haben – hauptsächlich aus fremdenfeindlichen Motiven. Mundlos und Böhnhardt töteten sich laut Ermittlern im Herbst 2011 nach einem Banküberfall, um einer Festnahme zu entgehen. Zschäpe stellte sich der Polizei. Sie steht seit fast dreieinhalb Jahren in München vor Gericht. (dpa)