Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.12.2016


Exklusiv

Solaranlage: Blenden verboten

Inwieweit Blendungen von Dach-Solaranlagen gegenüber Nachbarn zulässig sind, entschied in einem Tiroler Fall nun die Justiz. Die Nachbarin setzte sich durch.

© iStock(Symbolfoto)



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Individuell einsetzbare Sonnenenergie ist groß im Kommen. Tausende Hausdächer mit frisch montierten Solarkollektoren zeugen davon. Nicht jeder Hausnachbar ist davon angetan, sammeln die verglasten Flächen doch nicht nur die Sonne, sondern spiegeln sie je nach Betrachtungs- und Montagewinkel auch.

Einer Mutter mit zwei Kindern wurde das zweimal 20 m² große Blendwerk nun zu viel. Liegen die beiden Häuser doch in der Höhe versetzt so zueinander, dass die Klägerfamilie im ersten Stock des Hauses fast direkt in die Kollektoren sieht und quasi gratis das Haus ausgeleuchtet bekommt.

Über ihren Innsbrucker Rechtsanwalt Martin Wuelz brachte sie eine Unterlassungsklage ein. Demnach habe der Nachbar dafür zu sorgen, den Neigungswinkel der Solarkollektoren so einzustellen, dass keine das ortsübliche Ausmaß übersteigende Spiegelung entstehe. Schließlich würden die reflektierten Sonnenstrahlen direkt ins Auge treffen, und dies sei so, als würde man direkt ungeschützt in die Sonne schauen. Laut Anwalt Wuelz sei so eine durch die Blendung hervorgerufene Beeinträchtigung ortsunüblich, stelle eine Immission (wie Lärm, Geruch) dar und beeinträchtige die Nutzung des eigenen Grundstücks wesentlich. Durch eine Veränderung des Winkels der Anlage könne aber alles vermieden werden.

Genau dies hatte aber der Nachbar mit dem Argument abgelehnt, dass die Platten dann nicht mehr genug Strom produzieren würden. Auch eine Beeinträchtigung der ortsüblichen Nutzung des Hauses sah der Solaranhänger nicht, zumal ein Blendeffekt – wenn überhaupt – nur zweimal im Jahr ein bis zwei Wochen für maximal eine halbe Stunde auftrete. Da wäre es wiederum für die Nachbarin zumutbar, die Jalousien herunterzulassen oder einen schwenkbaren Sonnenschirm aufzustellen.

Eine Sachverständigenfrage also. Diese wurde jedoch so eindeutig beantwortet, dass der Solaranlagenbetreiber seine Platten nun rechtskräftig zumindest verstellen muss.

So sind die Blendungen laut erster Gerichtsinstanz im Zeitraum „zwischen Ende April und Ende August astro­nomisch möglich, wobei die Blendwirkung dann aber drei bis fünf Stunden täglich andauern und verschiedene Fenster stundenlang betreffen würde“.

Gutachterlich bestätigt sei die Blendwirkung dabei „so stark, dass eine physiologische Absolutblendung vorliege – nicht nur bei direktem Blick auf die Photovoltaikanlage würde sie eine schmerzhafte physiologische Absolutblendung mit Nachbildern auslösen“. Dabei helfe es nicht einmal, wenn man sich im rechten Winkel zur Solaranlage im Raum aufhalte. Dazu sei durch die Blendwirkung und deren Nachbilder auch die Stiege zum Parterre eigentlich nicht mehr gefahrlos zu begehen.

Unzumutbar und eine ortsunübliche Nutzungseinschränkung des eigenen Hauses. Nur eine Veränderung des Neigungswinkels der Solarpanele kann Abhilfe schaffen. Das Landesgericht sah es als zweite Instanz genauso.




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