Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.02.2017


Gries am Brenner

Verfallenes Widum soll Denkmal sein

Pattstellung um ein altes Widum in Gries. Seit Jahren sollte es wegen Einsturzgefahr abgerissen sein. Nun meldete sich der Denkmalschutz.

© Kanzlei HolzmannWidum Lueg.



Von Reinhard Fellner

Gries a. Br., Innsbruck – Um das Widum bei der Lueger Kirche in Gries am Brenner ist es ruhig geworden. Vor 100 Jahren im schönsten Tiroler Stil erbaut, steht es bereits seit 20 Jahren leer. Die Frequenz spielt sich heutzutage hundert Meter oberhalb ab. Dort verläuft die Brennerautobahn.

Während die Kirche weiter besucht wird, erschien das Widum schon im Jahr 2012 so desolat, dass die Gemeinde dem einstigen Eigentümer einen Abbruchbescheid zusandte. Demnach bestand bezüglich des nicht abgesicherten Hauses laut Sachverständigem Gefahr in Verzug wegen Einsturzgefahr. Da die Instandhaltung des Gebäudes verabsäumt worden sei, „kann nur noch eine Beseitigung durch Abbruch erfolgen“.

Trotzdem steht das Gebäude im Jahr 2017 immer noch – und wird jetzt wohl weiter bestehen bleiben. Zwischenzeitlich hat nämlich das Bundesdenkmalamt ein Auge auf den Ort geworfen und erblickt ein schützenswertes Ensemble und Tiroler Kleinod. Ein Unterschutzstellungsverfahren wurde bereits eingeleitet.

Um das Objekt nun u. a. durch Landesgeologen Gunther Heißel besichtigen zu können, ersuchte das Denkmalamt die Gemeinde Gries nun um temporäre Aufhebung des Betretungsverbotes. Bürgermeister Karl Mühlsteiger verweist in der Sache auf Rechtsvertreter Albert Heiss. Und der sieht wegen des Denkmalamtes noch lange kein Abbruchshindernis: „Der Bescheid liegt vor und wäre zu vollziehen!“, sagt der Anwalt in Richtung Land Tirol, wo der Akt liegt.

Ganz anders Anwalt Hermann Holzmann, der den Eigentümer vertritt: „Sämtliche Aktionen, die den Bestand auch nur gefährden können, sind nun klarerweise zu vermeiden!“ Zudem sei der Eigentümer laut Holzmann „bereit, das Widum für die Nachwelt zu sanieren“. Das Land muss die Pattstellung nun wohl beenden, bevor das Widum von selbst einstürzt.