Letztes Update am Do, 23.03.2017 12:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


London-Anschlag

Attentäter wurde in Großbritannien geboren und war polizeibekannt

Mitten im Zentrum von London rast ein Auto in Fußgänger entlang einer belebten Brücke. Vor dem Parlamentsgebäude attackiert der Angreifer dann einen Polizisten. Vier Menschen sterben, etwa 40 weitere werden zum Teil schwer verletzt. Der Täter war vor Jahren wegen „gewalttätigem Extremismus“ unter Beobachtung der Behörden.

© AFPForensiker suchten den Rasen des Parlamentsgartens am Donnerstag nach Spuren ab.



London – Nach dem Terroranschlag in London hat die Polizei bei mehreren Razzien im Land acht Personen festgenommen. In London, Birmingham und anderen Orten seien Wohnungen durchsucht worden, teilte ein Sprecher von Scotland Yard am Donnerstag mit. In welcher Beziehung die Festgenommenen zu dem Täter stehen, sagte er nicht.

Bei dem Anschlag am Mittwoch waren vier Menschen getötet und etwa 40 verletzt worden, darunter laut Premierministerin Theresa May drei Schüler aus Frankreich. Auch zwei rumänische, zwei griechische und vier südkoreanische Staatsbürger sowie ein Deutscher, ein Pole, ein Italiener, ein Amerikaner, ein Chinese und ein Ire wurden verletzt. Unter den Schwerverletzten sind auch zwei Polizisten.

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Was wir wissen – und was nicht:

Der Angreifer sei in Großbritannien geboren worden und war der Polizei bekannt.„Was ich bestätigen kann, ist, dass der Mann in Großbritannien geboren wurde und dass er vor einigen Jahren vom MI5 (Inlandsgeheimdienst, Anm.) überprüft wurde im Zusammenhang mit der Besorgnis über gewaltsamen Extremismus“, sagte May. „Er war eine periphere Figur“, fügte sie hinzu. „Dieser Fall ist historisch, er war nicht Teil des laufenden Geheimdienst-Bildes.“ Es habe im Vorhinein keine Geheimdienstinformationen über seine Absicht, einen Anschlag zu verüben, gegeben.

Abendliche Gedenkveranstaltung am Trafalgar Square

Die Tat löste international Bestürzung und Anteilnahme aus. Das britische Parlament und Scotland Yard gedachten um 10.33 MEZ in einer Schweigeminute der Opfer. Paris schaltete die Beleuchtung des Eiffelturms ab, das Brandenburger Tor in Berlin soll in den Farben der britischen Flagge angestrahlt werden. Für 19.00 Uhr ist eine Gedenkveranstaltung auf dem Trafalgar Square in London geplant.

„Wir gehen immer noch davon aus, dass der Angreifer ein Einzeltäter war“, sagte der Polizeisprecher. Der Mann sei durch den internationalen Terrorismus zu der Tat angeregt worden. Eine Gefährdung der Bevölkerung bestehe derzeit nicht.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon geht davon aus, dass der Anschlag „in Verbindung zum islamistischen Terrorismus“ steht. Die Sicherheitsmaßnahmen um das Parlament würden überprüft. Über dem Areal kreisten auch am Donnerstag Hubschrauber.

Sieben Verletzte in kritischem Zustand

Die Polizei korrigierte die Zahl der Toten von fünf auf vier, ohne weitere Angaben dazu zu machen. 29 Menschen wurden am Donnerstag noch in Krankenhäusern behandelt. Sieben von ihnen sind laut Scotland Yard in einem kritischen Zustand.

Der Attentäter war am Mittwoch zunächst auf der Westminster-Brücke neben dem Parlament mit einem Auto in Passanten gerast. Dabei starben ein etwa 50 Jahre alter Mann und eine 43 Jahre alte Frau. Die Britin mit spanischen Wurzeln wollte gerade ihre Kinder von der Schule abholen, wie Medien berichteten. Anschließend erstach der Attentäter auf dem Parlamentsgelände einen Polizisten. Die Polizei erschoss den Angreifer.

„Genau die Art von Anschlag, die der IS anstiftet“

„Dieser Anschlag passt genau in das Muster der Anschläge, die wir gesehen haben von Nizza und Berlin. Das ist genau die Art von Anschlag, die der IS promoted und anstiften will“, sagte der deutsche Terrorismusforscher Peter Neumann der Deutschen Presse-Agentur.

Neumann leitet das internationale Zentrum zur Erforschung von Radikalisierung (ICSR) am King‘s College in London und berät auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Sachen Deradikalisierung von Islamisten. Bei den Anschlägen in Nizza und Berlin waren die Täter mit Lastwagen in Menschenmengen gerast.

Londoner Bürgermeister: „Dürfen uns nicht beugen“

„Wir dürfen uns nicht beugen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen Erfolg haben und unseren Lebensstil zerstören oder Gemeinden spalten“, sagte der Londoner Bürgermeister Sadiq Kahn. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault wollte in der britischen Hauptstadt mit Behördenvertretern sprechen und die Familien der französischen Opfer treffen. (TT.com, APA/AFP/dpa/Reuters)