Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.04.2017


Reutte/Bayern

Füssen lehnt Dosiersystem rundweg ab

LA Maria Zwölfer hörte sich die deutsche Seite zur Problematik A7/B179 an. BM Iacob hofft auf eine große Fernpasslösung.



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Füssen – Wie wird jenseits der Grenze über Samstagsstau, Dosiersystem, 7,5-t-Tonnagebeschränkung und andere Verkehrsdauerbrenner gedacht? Die Lermooser Impuls-Abgeordnete Maria Zwölfer bat um einen Termin mit der Stadt Füssen – und schnell war ein kleiner Verkehrsgipfel mit Bürgermeister Paul Iacob, den Fraktionsvorsitzenden der Stadt, der Verkehrsbehörde und Polizeiinspektion Füssen sowie der Straßenbaudirektion Kempten in Gang gebracht. Mit der Impuls-Parteivorsitzenden war auch ihr Stellvertreter Josef Falkner ins Allgäu gekommen.

In der Diskussion wurden die Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation im Außerfern, wie sie auch in der so genannten Fernpassstrategie vorgeschlagen wurden, erörtert. Besonders das Dosiersystem, das mit den politischen Vertretern in Deutschland laut Zwölfer nicht abgesprochen war, stößt in Füssen auf Unverständnis und Ablehnung. Der 1. Bürgermeister Paul Iacob hält sich gegenüber der Tiroler Tageszeitung mit Kritik nicht zurück. „Beim zwangsläufigen Rückstau auf die A7 drängt das Dosiersystem die Verkehrsteilnehmer runter von der Autobahn in die Dörfer. Das ist in niemandes Sinn. Nesselwang, Pfronten, Füsse­n, aber auch Vils, Musa­u, Pinswang, Pflach und Reutte – alle bekommen diesen Umgehungsverkehr ab. Das Land wird damit überflutet“, sagt Iacob. Füssens Stadtchef weist darauf hin, dass Navi­s und Radioverkehrsfunk dies unsinnigerweise noch forcieren würden. Dies bestätigt auch Thomas Meiler, Verkehrsreferent der Polizei Füssen: „Gerade dieses Wochenende hat Radio Antenne Bayern wieder empfohlen, in Nesselwang von der A7 ab- und über die Dörferlinie weiter bis Reutte zu fahren.“

BM Iacob will noch im Frühjahr zu einem grenzüberschreitenden Verkehrsgipfel mit Tiroler Politikern laden und auch mit Reuttes Bürgermeister Alois Oberer das Gespräch suchen, dessen Honorierung des Dosiersystems er zwar nachvollziehen, „aber nicht gutheißen“ kann. Paul Iacob, der sich im Außerfern keine Autobahn wünscht, glaubt den Ursprung aller Stauprobleme ausgemacht zu haben: „Es ist die Barriere Fernpass. Hier braucht es eine große Lösung und dafür auch europäische Mittel.“

In der Diskussion wunderte sich Polizeiverkehrssprecher Thomas Meiler auch, dass viele osteuropäische Lkw bei Kontrollen im Raum Füssen gerade noch innerhalb der Ausnahmezone der 7,5-t-Tonnagebeschränkung in Bayern über angemietete Parkflächen als so genannte Firmenstandorte verfügen würden. „Ob es sich dabei um Briefkastenfirmen handelt, kann ich nicht sagen. Aber die Vermutung liegt natürlich nahe“, erklärte er auf TT-Anfrage.

Maria Zwölfer sieht sich jedenfalls bestätigt: „Alle Experten waren sich einig, dass eine nachhaltige Lösung des Verkehrsproblems auf der B179 nur durch eine komplette Untertunnelung des Flaschenhalses Fernpass erzielt werden kann.“ Die Fertigstellung der A7 habe die Allgäuer Bevölkerung entlastet und touristischen Aufschwung gebracht, hieß es.