Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.06.2017


Exklusiv

Aktion scharf gegen Bettler in Innsbruck

Seit zehn Tagen nimmt die Polizei die Innsbrucker Bettler-Szene unter die Lupe: 18 Personen erhielten Strafverfügungen, ein Bulgare musste sogar ins Gefängnis.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Innsbrucks Bettler machen sich rar. Die Zeitungs(-Schein-)Verkäufer sind offenbar seit Tagen untergetaucht. Und auch die Frauen, die in den Innenstadt-Gastgärten von Tisch zu Tisch gingen und um Almosen baten, sind derzeit kaum anzutreffen.

Möglicherweise die Auswirkungen der Offensive, die die Innsbrucker Polizei vor etwa zehn Tagen eingeleitet hat. Eine Offensive, die sich vor allem gegen aggressive und gewerbsmäßige Bettler richtet. „Wir haben bisher zusammen mit Beamten der Stadtpolizei Schwerpunktaktionen durchgeführt“, nennt Florian Greil, Leiter des Strafamtes der Landespolizeidirektion, Details der „Aktion scharf“: „18 Personen erhielten von uns noch an Ort und Stelle Strafverfügungen. Und ein Mann wurde ins Polizeianhaltezentrum gebracht, um dort einen Ersatzarrest zu verbüßen.“

Bei den Kontrollen ermitteln die Beamten des Stadtpolizeikommandos und des Strafamtes verdeckt: „Das heißt, wir sind in Zivil und beobachten erst einmal, was sich tut.“ Einerseits haben es die Beamten auf aggressive Bettler abgesehen. Aggressiv ist beispielsweise, „wer sich den Leuten beim Betteln in den Weg stellt oder in Lokalen von Tisch zu Tisch geht“, erläutert Greil. Wer dabei erwischt wird, erhält unverzüglich eine Strafverfügung überreicht. Aber auch gewerbsmäßige Bettler müssen mit Strafen rechnen. Gewerbsmäßigkeit liegt dann vor, wenn die betreffende Person schon mehrmals erwischt wurde. Aber auch bettelnde Ausländer, die keinen Bezug zu Tirol haben, müssen mit einem entsprechenden Strafbescheid rechnen.

Vorerst nichts zu befürchten haben hingegen Bettler, die in der Ecke sitzen und auf ein paar Münzen für ihren Hut hoffen. „Es sei denn, wir erwischen sie mehrmals, dann fallen auch sie unter die Gewerbsmäßigkeit“, erklärt der Leiter des Strafamtes.

Bei der aktuellen „Aktion scharf“ gelang es den Beamten auch, einen „Capo“ aus dem Verkehr zu ziehen. „Wir konnten den Mann dabei überführen, als er anderen Bettlern aus seinem Klan die Einnahmen abnahm“, erzählt Greil. Als „Kassier“ muss er mit einer deutlich höheren Geldbuße rechnen – der Strafrahmen reicht in diesem Fall bis rund 5000 Euro.

Die Beamten kümmern sich auch um die „Schein-Verkäufer“, die ohne Berechtigung Straßenzeitungen aus dem Altpapier-Container anbieten und damit den legalen 20er-Verkäufern Konkurrenz machen. „Die angebotenen Zeitungen sind ein Vorwand, meist geht’s nur darum, den einen oder anderen Euro zu bekommen“, so Greil weiter: „Wir überprüfen daher die Verkäuferausweise, schauen, wie alt die angebotenen Zeitungen sind, und achten darauf, ob auch Geld erbettelt wird.“ Falls der eine oder andere Punkt zutrifft – Strafbefehl. Der Großteil der Innsbrucker Bettler stammt aus Bulgarien. Meist handelt es sich um Familienklans, die von Stadt zu Stadt ziehen, aber auch nach Innsbruck zurückkehren. Das zeigte sich auch bei den aktuellen Schwerpunktkontrollen. „Wir haben dabei bettelnde Personen angetroffen, die auch vor einem Jahr schon da waren“, sagt Greil. Auffällig ist auch, dass die einheimischen Bettler aus dem Innsbrucker Straßenbild weitgehend verschwunden sind.




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