Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Justiz und Kriminalität

Hotline wegen der Flut an Cyberattacken

Die Zahl der Cyberattacken bei Firmen steigt, eine Hotline der Wirtschaftskammer soll helfen, den Schaden gering zu halten.

Besonders Unternehmen sollten ihre Daten schützen und damit wirtschaftlichen Schaden verhindern.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: iStock/ D3Damon</span>

© iStockphotoBesonders Unternehmen sollten ihre Daten schützen und damit wirtschaftlichen Schaden verhindern.Foto: iStock/ D3Damon



Innsbruck – Cybercrime – Kriminalität im Internet– wird für Betriebe zu einer immer größer werdenden Bedrohung. Im Vorjahr stieg die Zahl der angezeigten Fälle von Computer- und Internetkriminalität um ein Drittel auf mehr als 13.000. In Tirol stieg die Zahl der angezeigten Straftaten 2016 um gut 20 Prozent auf 1021 Straftaten. Die Wirtschaftskammer (WK) will nun helfen. Eine eigene Hotline soll bei einem Hackerangriff schnell und unbürokratisch den Schaden minimieren, erklärt Alfred Gunsch vom Arbeitskreis IT-Security Expert Group in der WK Tirol.

Die Cyber-Security-Hotline ist sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang unter der Telefonnummer 0800/888133 erreichbar. „Es ist eine kostenlose, telefonische Notfallhilfe“, sagt Gunsch. Für weitere IT-Unterstützung werde dann – wenn gewünscht – an IT-Security-Firmen verwiesen. Christoph Holz, Digitalisierungsexperte und Obmann der Fachgruppe UBIT, spricht von Milliardenschäden in der Wirtschaft, die durch Cyberkriminalität angerichtet würden. So seien etwa beim Hackerangriff mit dem Virus „WannaCry“ Mitte Mai weltweit rund 94.000 Dollar Lösegeld erpresst worden.

Holz, gerade aus Silicon Valley zurückgekehrt, erzählt von Hackerfirmen, die gemietet werden könnten. Dort gebe es die „kleinen Hacker“, die die gewünschten Informationen stehlen, und den Geschäftsführer, der „für die Geldwäsche“ zuständig sei. Mit jedem Angriff, mit jedem Hack würden aber auch wieder mehr Sicherheitslücken in IT-Systemen geschlossen. Das Internet sei jedoch viel zu fragmentiert, um 100 Prozent sicher zu sein.

Tipps hat Holz trotzdem. So sollten Programme immer wieder ein Update erfahren und die Sicherheitssoftware auf dem neuesten Stand sein. Wichtige Daten müssten mehrmals täglich gespiegelt werden, die Sicherungsfestplatten sollten nicht am Netz bleiben. Einer, der weiß, wie sich ein Unternehmer fühlt, dessen Betrieb gehackt wurde, ist Mario Gerber. In die Datensysteme seines Hotels wurden geknackt, er verlor eine Eurosumme im fünfstelligen Bereich. Für ihn ist Hacking im Tourismusbereich eine Horrorvorstellung, Buchungen, Rechnungen, Stornos, einfach alles laufe digital ab. Er wünscht sich einen Ausbau von Versicherungen gegen Online-Kriminalität. Wohl ein künftig erfolgreiches Geschäftsfeld: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG schätzt, dass Unternehmen in spätestens 20 Jahren mehr für den Schutz gegen Internet­risiken ausgeben als für die Autoversicherung. (ver)