Letztes Update am Di, 27.06.2017 11:32

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bosnienkrieg

Gericht: Niederlande für 350 Srebrenica-Opfer mitverantwortlich

Im Juli 1995 stürmen Serben die Enklave Srebrenica. Die niederländischen UN-Soldaten ergeben sich kampflos. 8000 Menschen werden getötet. Für 350 Todesopfer werden die „Dutchbat“-Soldaten nun mitverantwortlich gemacht.

Unvergessen: Die Opfer von Srebrenica.

© REUTERSUnvergessen: Die Opfer von Srebrenica.



Den Haag – Mehr als 20 Jahre nach den Massakern an Muslimen im bosnischen Srebrenica hat ein Gericht den niederländischen Staat erneut für den Tod von 350 Opfern mitverantwortlich gemacht. Allerdings hob das Berufungsgericht am Dienstag in Den Haag ein Urteil aus erster Instanz teilweise auf und stellte nur eine begrenzte Verantwortung des Heimatstaates der damaligen UN-Soldaten für die von Serben verübten Kriegsverbrechen fest. Die Angehörigen von rund 6000 Opfern, die “Mütter von Srebrenica“, hatten die Zivilklage gegen die Niederlande angestrengt.

Im Bosnien-Krieg hatten serbische Einheiten im Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und rund 8000 Muslime ermordet. Die niederländische UN-Blauhelme hatten die Enklave den Serben unter Anführung des Generals Ratko Mladic kampflos übergeben. Anschließend hatten serbische Einheiten rund 8000 bosnische Männer und Buben ermordet.

In der ersten Instanz hatte das Gericht die Niederlande ausdrücklich nicht für den Fall der Enklave und den Tod aller Opfer verantwortlich gemacht. Doch die Soldaten hätten unrechtmäßig an der Deportation von mehr als 300 Männern von ihrem Militärgelände mitgewirkt. Dabei, so urteilten die Richter damals, gab es bereits Signale von Massenerschießungen. „Man kann mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass diese Männer am Leben geblieben wären, wenn Dutchbat ihnen gestattet hätte, auf dem Militärgelände zu bleiben,“ hieß es in der Urteilsbegründung.

Dagegen hatte Den Haag Berufung eingelegt. Die niederländische UN-Blauhelmeinheit „Dutchbat“ habe gegen die serbische Übermacht gar nichts tun können, argumentierte der Staat. Außerdem stand die Truppe nach niederländischer Auffassung unter der Befehlsgewalt der Vereinten Nationen.

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Für den Völkermord muss sich Ex-General Mladic in Den Haag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal verantworten. Ende 2017 wird das Urteil erwartet. Als politisch Verantwortlicher war Ex-Serbenführer Radovan Karadzic bereits zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. (dpa, TT.com)