Letztes Update am Di, 11.07.2017 18:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klagenfurt

Kärntnerin wollte eigene Kinder tot sehen: Bedingte Einweisung

Die Geschworenen entschieden, dass eine Bestimmung zum Mord vorlag. Sie sprachen eine bedingte Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher aus. Die Probezeit beträgt zehn Jahre.

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Klagenfurt - Ein Geschworenensenat am Landesgericht Klagenfurt hat am Dienstagabend über den Fall einer 33 Jahre alten Kärntnerin entschieden, die ihre Mutter angestiftet hatte, ihre drei Kinder zu töten. Einstimmig entschieden die Geschworenen, dass eine Bestimmung zum Mord vorliege. Sie sprachen eine bedingte Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher aus. Die Probezeit beträgt zehn Jahre.

Außerdem wurden flankierende Maßnahmen für die Frau, bei der eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert wurde, angeordnet, etwa Bewährungshilfe und Psychotherapie, außerdem eine engmaschige Kontrolle durch das Gericht. Der Verteidiger erklärte Rechtsmittelverzicht, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.

"Sie dachte, nur im Tod könnte sie Kinder wiedersehen"

"Es war meine Befürchtung, dass sie sich umbringt und die Kinder mitnimmt", sagte die 55-Jährige bei Gericht. Sie hatte ihre Tochter einige Tage nach einem Gespräch, das die Frauen in einer Kärntner Psychiatrie geführt hatten, bei der Polizei angezeigt. In dem Gespräch, das sie aufgezeichnet hatte, bat die 33-Jährige mehrmals darum, ihre Mutter möge die Enkelkinder töten.

Staatsanwalt Christian Pirker: "Sie leidet unter paranoider Schizophrenie und hatte Suizidabsichten. Die Betroffene hoffte, ihre Kinder im Tod wieder zu sehen." Die Frau sei damals nicht zurechnungsfähig gewesen. "Der Gedanke, nur so ihre Kinder wiedersehen zu können, hatte sich bei ihr verfestigt. Sie konnte nicht anders."

Die Betroffene berichtete bei Gericht von ihren Schwierigkeiten, dass sie nach jeder Geburt in eine postnatale Depression verfiel. Sie habe zwar schon 2005 ärztliche Hilfe gesucht, sei aber weggeschickt worden. Sie habe nur "Alltagsprobleme", sei ihr beschieden worden. Mit jeder Geburt, jeder in der Folge gescheiterten Beziehung sei es ihr schlechter gegangen.

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"Ich habe immer gedacht, es sind alle gegen mich und sind nicht ehrlich." 2016 sei es ihr dann richtig schlecht gegangen. Mehrmals war die 33-Jährige in der Psychiatrie, mehrmals floh sie. "Niemand hat mir jemals gesagt, dass sie mir helfen und ich meine Kinder später wieder bekomme." Man hätte besser auf sie aufpassen müssen, meinte die Betroffene.

Frau kann sich an Gespräch nicht mehr erinnern

Vorwürfe, sie habe sich über die Jahre selbst mit Cannabis "therapiert", wies die 33-Jährige zurück. An das Gespräch mit der Mutter, in dem sie diese zum Mord an den Kindern aufgefordert habe, könne sie sich nicht erinnern. "Ich bin entsetzt darüber, was ich da gesagt habe." Inzwischen sei sie mit Medikamenten gut eingestellt, bestätigte auch die Mutter: "Seit Februar ist mein Kind wieder da, weil die Medikamente endlich wirken. Sie wird sie weiternehmen, weil sie sonst ihre Kinder nicht sehen darf. Das ist ihre größte Angst." (APA)