Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.09.2017


Exklusiv

Illegales Glücksspiel in der Tiefgarage

Die Hintermänner der Glücksspiel-Szene werden immer einfallsreicher, um ihr Geschäft zu betreiben.

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© zeitungsfoto.at



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – „Zu vermieten“: Wo einst in der Innsbrucker Innenstadt Glücksspieler ein- und ausgingen, sind jetzt häufig leere Schaufenster zu sehen. Die Folge zahlreicher Polizeirazzien, wie auch die Amtssiegel an den Eingängen zeigen – das Strafamt (Landespolizeidirektion) hat in den vergangenen Jahren für einen Kahlschlag in der illegalen Glücksspielbranche gesorgt.

Mit kuriosen Folgen, wie jetzt das Ergebnis einer weiteren Razzia am Mittwoch zeigt: „Wir sind in einer Tiefgarage in der Kranebitter Allee auf ein Spiellokal gestoßen“, bestätigt Polizeijurist Anton Hörhager. Genau genommen handelt es sich um eine abgeschlossene Box in der Garage auf der Fläche von zwei Parkplätzen. Und in der Box entdeckten die Polizeibeamten sieben illegale Glücksspielautomaten. „Der Raum ist sogar relativ gemütlich, immerhin ist ein Boden verlegt und es gibt auch einen Getränke­automaten“, erzählt Hörhager. Die Beamten stießen auch auf zwei Spieler, die gerade an den Automaten ihr Glück versuchten. Erstaunlich ist allerdings, dass die Kunden allein waren – von einem Angestellten fehlte jede Spur. In der Untergrund-Spielhölle offenbar kein Einzelfall: „Die Spieler erzählten uns, dass sie im Fall eines Gewinnes bei einer bestimmten Telefonnummer anrufen müssen“, so Hörhager weiter: „Dann kommt angeblich jemand vorbei und zahlt den Gewinn aus.“

Dass die Hintermänner der illegalen Spielbranche unter dem Druck der Polizeikontrollen erfinderisch werden, lässt sich in Innsbruck schon länger beobachten. Vor etwa zwei Monaten stießen die Behörden in einem Container hinter einer Tankstelle auf Spielautomaten. Auch unscheinbare Kellerlokale ohne jeden Hinweis auf das illegale Angebot liegen im Trend. „Die Spieler werden per Telefon informiert, wenn ein neuer Betrieb eröffnet“, weiß der Polizeijurist: „Meist wird dabei auch damit geworben, dass es dort ‚gute‘ Automaten mit besseren Gewinnchancen gibt.“

Die erfolgreiche Razzia in der Tiefgarage war übrigens nur ein Teil einer umfangreichen Aktion scharf der Polizei: „Wir haben in den vergangenen Tagen 20 Lokale im Innsbrucker Zentrum, aber auch an der Peripherie kontrolliert“, sagt Hörhager. Das Ergebnis: „In acht Betrieben standen Spielautomaten.“ Die Beamten beließen es bei einer Verwarnung: „Wir müssen die Schließung zunächst einmal androhen. Sollten bei der nächsten Kontrolle erneut Automaten zu finden sein, können wir die Betriebe zusperren.“

Fündig wurden die Beamten unter anderem auch in Wettlokalen: „Weil Glücksspielautomaten mehr Gewinn abwerfen als Sportwetten, deren Ergebnis nicht beeinflusst werden kann.“




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