Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.09.2017


Exklusiv

Verunreinigtes Quellwasser ins Netz gespeist: Ermittlungen in Buch

Offenbar wurde über Jahre belastetes, nicht genehmigtes Quellwasser mehrfach ins Bucher Trinkwassernetz eingeleitet. Die Behörde ermittelt, ob strafbare Handlungen vorliegen.

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Von Angela Dähling

Buch i. T. – Wurden die Bucher Haushalte möglicherweise 14 Jahre lang immer mal wieder mit antimonhaltigem Wasser aus der nicht als Trinkwasser zugelassenen Blaikner Quelle versorgt? Damit beschäftigt sich derzeit die Schwazer Bezirkshauptmannschaft. „Ein Ermittlungsverfahren läuft, es richtet sich aber nicht gegen bestimmte Personen“, erklärt Bezirkshauptmann Michael Brandl. Man prüfe, ob strafbares Verhalten vorliege.

Seit Dezember 2003 hätte die Quelle aufgrund zu hoher Antimonwerte nicht mehr ins Trinkwassernetz eingespeist werden dürfen, wie aus einem der TT vorliegenden Schreiben des Amtes der Tiroler Landesregierung hervorgeht. Seither sei sie daher weder gewartet noch beprobt worden, erklärt Marion Wex, seit 31. Mai 2017 Bucher Bürgermeisterin. Weil die Trink- und Löschwasserversorgung in Buch seit Jahren unzureichend ist, kam es allerdings immer wieder zu Engpässen.

Angeblich soll die belastete Quelle, für die seit 2003 auch das Wasserrecht erloschen war, zuletzt im Juli ins Trinkwassersystem eingeleitet worden sein – durch Vize-BM Walter Wallner. Und auch davor sei diese Maßnahme immer wieder bei Wasserknappheit gesetzt worden. Der von 2011 bis 2017 zuständige Wassermeister Christian Rissbacher erklärte in der jüngsten Bucher Gemeinderatssitzung, ihm habe die alte Gemeindeführung (BM Otto Mauracher, Vize-BM Wallner) erklärt, es gebe eine Ausnahmegenehmigung zur Einleitung. „Und ich habe immer nur nach Rücksprache mit der Gemeindeführung eingeleitet“, sagt er.

„Ich habe nie dieses Wasser einleiten lassen“, behauptet Vize-BM Wallner auf Anfrage der TT. „Es war zulässig, kleine Mengen einzuleiten. Dazu gibt es mündliche Zusagen“, sagt er weiter. Von wem diese seien, könne er nicht sagen. Es gebe zudem ein Schriftstück, wonach 0,7 l/s der Blaikner Quelle mit dem sonstigen Trinkwasser in Notfällen vermischt werden dürfe, behauptet er. Aus dem Schreiben des Landes geht hervor, dass dieser Bescheid aus dem Jahr 2000 mit Inkrafttreten der neuen Trinkwasserverordnung 2003 erschlossen ist. Wex, die im Nachhinein über die Einleitung im Juli informiert wurde, verweist zudem auf das Wasserbuch, in dem alle Vorgänge – auch rund um die Blaikner Quelle – vom Wassermeister vermerkt sind, und das der TT vorliegt. Demnach erfolgten die Einleitungen nach Absprache mit der alten Gemeindeführung. Wex ließ die Quelle inzwischen beproben. „Sie weist Fäkalbakterien und coliforme Bakterien auf und ist nachweislich nicht als Trinkwasser geeignet“, sagt Wex. Das Wasser sei allerdings nicht in die Haushalte des Bucher Ortsteils Buch geflossen – wo Alt-BM Mauracher und Vize-BM Wallner wohnen. Dort gibt es eine eigene Wassergenossenschaft. Wichtig sei laut Wallner, dass die Blaikner Quelle jetzt durch Filtersysteme aufbereitet werde, um das Wasserproblem zu lösen.