Letztes Update am Sa, 30.09.2017 09:37

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Vergiftete Babynahrung: Polizei gibt trotz Festnahme keine Entwarnung

Ein 55-Jähriger wurde unter dringendem Tatverdacht verhaftet. Noch am Samstag soll über ihn die Untersuchungshaft verhängt werden.

Die Polizei sucht nach dem etwa 50 Jahre alten Mann, der vergiftete Lebensmittel in Supermärkten in Friedrichshafen deponiert haben soll.

© dpa/PolizeiDie Polizei sucht nach dem etwa 50 Jahre alten Mann, der vergiftete Lebensmittel in Supermärkten in Friedrichshafen deponiert haben soll.



Konstanz – Die Polizei im deutschen Bundesland Baden-Württemberg hält den am Freitag im Zusammenhang mit den Supermarkt-Erpressungen festgenommenen Mann für „dringend tatverdächtig“. Die Staatsanwaltschaft wolle noch am heutigen Samstag einen Haftbefehl gegen den 55-Jährigen beantragen, hieß es in der Früh aus Ermittlerkreisen. Die Behörden waren durch Hinweise der Bevölkerung auf ihn aufmerksam geworden.

Die Polizei hatte den 55-jährigen Deutschen am Freitag in Ofterdingen (Landkreis Tübingen) überprüft und festgenommen. Die Ermittler wollten am Nachmittag bei einer Pressekonferenz in Konstanz Einzelheiten mitteilen. Wie es aus Ermittlerkreisen hieß, wurden in der Nacht zum Samstag kriminaltechnischen Untersuchungen vorgenommen.

Keine Entwarnung

Trotz der Festnahme eines mutmaßlichen Supermarkterpressers gibt es aus Deutschland noch keine Entwarnung für Kunden. Mit Blick auf möglicherweise vergiftete Waren rief die deutsche Polizei Samstagfrüh erneut zur Vorsicht auf: „Die Verbraucher sollten nach wie vor beim Einkauf wachsam sein“, sagte Polizeisprecher Markus Sauter.

Trotz der veränderten Situation sollten die Menschen beim Einkauf auf manipulierte Produkte achten und die Polizei im Zweifelsfall informieren. Es gebe derzeit keine Erkenntnisse, dass der festgenommene 55-Jährige in Supermärkten oder Drogerien mehr vergiftete Lebensmittel als die bereits gefundenen Gläschen mit Babynahrung platziert habe - „die Geschichte ist aber nach wie vor aktuell“, fügte Sauter hinzu.

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Hunderte Hinweise eingegangen

Dabei handelt es sich in der Regel etwa um DNA-Abgleich und Fingerabdrücke. Der Mann habe zu den Vorwürfen bisher geschwiegen, hieß es. Der mutmaßliche Täter hatte in einer E-Mail an die Polizei, den Verbraucherschutz und mehrere Lebensmittelkonzerne von Mitte September damit gedroht, bis Samstag 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Er forderte einen niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag.

Der Fall schuf allgemein Verunsicherung, zumal der Erpresser keine Angaben dazu machte, welche Produkte und welche Filialen konkret betroffen sein sollen.

Schon Mitte September waren fünf mit Ethylenglycol vergiftete Gläschen mit Babynahrung in Friedrichshafen entdeckt worden. Die Polizei hatte am Donnerstag Fahndungsbilder eines dringend tatverdächtigen Mannes veröffentlicht. Danach waren bundesweit Hunderte Hinweise eingegangen.

Angaben darüber, welche Produkte und welche Filialen konkret betroffen sein sollen, machte der Täter nicht. Gefahndet wurde nach ihm auch im Ausland, vor allem in Österreich und der Schweiz. (APA/dpa/AFP)