Letztes Update am So, 01.10.2017 11:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Supermarkt-Erpresser: Weitere Ermittlungen nach Festnahme

Ein 53-Jähriger hat nach seiner Festnahme gestanden, die vergifteten Babygläschen in deutschen Supermärkten verteilt zu haben. Damit ist die Arbeit der Polizei aber nicht beendet.

Uwe Stürmer vom Polizeipräsidium Konstanz zeigt anhand einer Flasche, wieviel Gift bei dem Verdächtigen gefunden wurde.

© dpa/Felix KästleUwe Stürmer vom Polizeipräsidium Konstanz zeigt anhand einer Flasche, wieviel Gift bei dem Verdächtigen gefunden wurde.



Konstanz – Nach dem Geständnis des mutmaßlichen Supermarkt-Erpressers arbeiten Ermittler weiter an der Aufklärung des Falles. Wie der Sprecher der Polizei in Konstanz, Markus Sauter, am Sonntag sagte, untersuchen Kriminaltechniker unter anderem den Computer des 53 Jahre alten Verdächtigen.

Ob die Gefahr durch vergiftete Lebensmittel nun tatsächlich gebannt ist, lasse sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, sagte Sauter. „Wir gehen aufgrund der jetzigen Erkenntnisse aber nicht davon aus, dass weitere vergiftete Nahrungsmittel von dem Mann in Umlauf gebracht wurden.“ Das habe der Tatverdächtige ausgesagt.

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Erpressers sei indes schwierig zu beantworten, räumte Sauter ein. Am Samstag attestierte die Polizei dem Mann „psychische Auffälligkeiten“. 

Haftbefel erlassen, Beweislast „erdrückend“

Der Erpresser hatte gedroht, 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen, und per E-Mail einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gefordert. Mitte September hatte er bereits fünf Gläschen Babynahrung mit Ethylenglycol versetzt und in einen Supermarkt in Friedrichshafen am Bodensee gebracht.

Am Donnerestag veröffentlichte die Polizei Bilder aus einer Überwachungskamera. Hunderte Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein, einige brachten die Polizei auf die Spur des Tatverdächtigen, woraufhin Beamte ihn am Freitag im Kreis Tübingen festnahmen.

Noch am Samstagnachmittag erließ ein Richter in Ravensburg Haftbefehl gegen den 53-Jährigen. Der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger sprach am Samstag auf einer Pressekonferenz in Konstanz von einer erdrückenden Beweislast. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am Freitag in Ofterdingen habe man eine Flasche mit dem Gift Ethylenglycol gefunden, mit dem die sichergestellte Babynahrung versetzt worden war.

Der Vorwurf gegen den 53-Jährigen lautet auf versuchte räuberische Erpressung. Laut Boger drohen ihm im Fall einer Verurteilung zwischen 5 und 15 Jahren Haft. Sollte sich im Laufe der Ermittlungen eine Tötungsabsicht herausstellen, droht ihm sogar eine lebenslange Strafe. (APA/dpa, TT.com)