Letztes Update am Fr, 06.10.2017 14:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bayern

Gutachter: Münchner Amoklauf war rechtsextremes Hassverbrechen

Was trieb den Münchner Amokläufer David S. dazu, neun Menschen zu töten? Drei Gutachter stufen die Tat als politisches Verbrechen ein – doch über das Motiv des Täters sind sie sich uneins.

Das Kunstwerk am Erinnerungsort für den Münchner Amoklauf wurde am ersten Jahrestag eingeweiht.

© APA/dpa/Tobias HaseDas Kunstwerk am Erinnerungsort für den Münchner Amoklauf wurde am ersten Jahrestag eingeweiht.



Ozu – Der Amoklauf von München war nach Ansicht von drei Gutachtern ein rechtsextremes Hassverbrechen – das genaue Motiv des Täters bleibt aber nach den Einschätzungen der Experten diffus.

Der 18-jährige Täter David S. sei ein „einsamer Wolf“ gewesen, der einen Terroranschlag verübt habe, sagte der Politikwissenschaftler Florian Hartleb am Freitag in München. Dass sich S. vorrangig für Mobbing in der Schule habe rächen wollen, reiche als Erklärung nicht aus.

Gutachten stuft Tat als Terror ein

S. hatte am 22. Juli 2016 neun Menschen erschossen, die meisten waren Jugendliche mit südosteuropäischen Wurzeln. Im Auftrag der Stadt München untersuchten die Gutachter Hintergründe des Gewaltakts.

Das Geschehen könne „als Akt eines allein handelnden Terroristen“ bezeichnet werden, heißt es im Gutachten des Direktors des Jenaer Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, Matthias Quent. Dabei seien allerdings persönliche und politische Faktoren „untrennbar miteinander verschmolzen“. Im Ergebnis müsse die Tat zwingend als „politisch motivierte Kriminalität“ eingeordnet werden.

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Der Berliner Professor für Politikwissenschaft und Soziologie, Christoph Kopke, sagte hingegen, es sei dem Täter „nicht darum gegangen, eine politische Aussage zu treffen“. Vielmehr seien die psychischen Erkrankungen von David S. „der eigentliche Antrieb“ für die Tat gewesen, zudem auch die Rache für Mobbing. Der Schüler habe Ausländer dafür verantwortlich gemacht, dass ihm Unrecht widerfuhr.

„Von Rache und Wut geleitet“

Diese Einschätzung stützt die Münchner Staatsanwaltschaft. „Wir sehen nach wie vor das vom Täter erlittene Mobbing im Vordergrund“, sagte die Oberstaatsanwältin Gabriele Tilmann. Der Täter sei einer rechtsextremen Einstellung gefolgt, doch seien die Kränkungen „tatauslösend“ gewesen. Auch der Leiter der Sonderkommission des Bayerischen Landeskriminalamts, Jürgen Miller, sagte, der Mehrfachmord sei „von Rache und Wut geleitet“ gewesen.

Vor einem Zugriff der Polizei hatte sich der Amokläufer selbst getötet. Auf seinem Computer fanden Ermittler Dokumente, in denen er sowohl Fremdenfeindlichkeit als auch Rache als Gründe anführte. (dpa)