Letztes Update am Di, 10.10.2017 14:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steiermark

Freispruch für Makler in Graz: Kein Wucher und kein schwerer Betrug

Kein Wucher, kein schwerer Betrug – so lautet das Urteil des Grazer Straflandesgerichts. Der Provision von 700.000 Euro sei rechtens. Wegen Anstiftung zur falschen Zeugenaussage erhält er fünf Monate bedingt.

Die 700.000 Euro kassierte der Steirer Makler laut Gericht zurecht.

© APA/GEORG HOCHMUTHDie 700.000 Euro kassierte der Steirer Makler laut Gericht zurecht.



Graz (APA) - Ein Immobilienmakler ist am Dienstag im Grazer Straflandesgericht vom Vorwurf des Wuchers und des schweren Betruges freigesprochen worden. Verurteilt wurde er nur wegen Anstiftung zur falschen Zeugenaussage, was ihm fünf Monate bedingt einbrachte. Der Beschuldigte hatte für den Verkauf eines Grundstücks um 3,7 Millionen Euro 700.000 Euro Honorar bekommen. Er nahm die Strafe an.

Von den Hauptvorwürfen wurde der 46-Jährige freigesprochen. Der ganze Fall war aufgekommen, als ein Teil seines Honorars von einem Fremden im Keller eines Hauses gefunden wurde, wo es der Mann versteckt hatte, weil die Wohnung früher leer war. Er rief jene Bekannte an, für die er den Deal mit den 3,7 Millionen eingefädelt hatte und drängte sie, zur Polizei zu gehen und zu sagen, es sei ihr Geld. Selbst konnte er das nicht tun, da er damals in Amerika war. Die Frau tat das, hielt aber nicht lange an diesen Angaben fest. Für diese Anstiftung zur Falschaussage wurde der Makler bedingt verurteilt, vom Rest wurde er freigesprochen. Sowohl Verteidiger Gerald Ruhri als auch die Staatsanwältin gaben Rechtsmittelverzicht bekannt, nur der Anwalt der Frau gab vorläufig keine Erklärung ab.

Die Geschichte von Anfang an

Der Immobilienmakler hat für eine Kundin den Verkauf einer Liegenschaft nördlich von Graz eingefädelt. Zuvor hatte er erreicht, dass eine Umwidmung von landwirtschaftlicher Nutzfläche auf Bauland durchging, wodurch das zunächst auf 130.000 Euro geschätzte Grundstück eine gewaltige Wertsteigerung erfuhr. Und weil das alles – seiner Meinung nach – nur er zustande bringen konnte, hielt er ein Honorar von 700.000 Euro für angemessen.

Die Verkäuferin zahlte auch und konnte so für zwei Kinder jeweils über eine Million mündelsicher anlegen und am eigenen Anwesen Renovierungen durchführen. Als aber der Koffer mit den 180.000 Euro plötzlich auftauchte, kam der Stein ins Rollen. Als die Herkunft des Geldes geklärt war, klagte die Staatsanwaltschaft Wucher an. Der Makler fühlte sich in keiner Weise schuldig, hatte er doch seiner Meinung nach der Frau zu viel Geld verholfen, das sie ohne ihn niemals bekommen hätte.

„Ich habe ihm vertraut, er hat sich als seriös dargestellt“, meinte sie. Als sie ihm die gesetzliche Provision – rund 110.000 Euro – anbot, „da hat er nur gelacht. Er hat gesagt, wenn er mir helfen soll, muss ein Batzen Geld für ihn herausschauen.“ Also einigte man sich auf 700.000 Euro, die dann auch tatsächlich bezahlt wurden. Durch die Umwidmung wurde ein wesentlich höherer Preis erzielt. „3,7 Millionen statt 130.000 Euro, das ist schon ein Unterschied“, merkte Richterin Julia Riffl an. Die Zeugin erklärte, sie sei unter Druck gesetzt worden, der Mann habe dauernd auf sie eingeredet und sie wollte alles vorbei haben. Nach dem Deal borgte sie ihm aber nochmals 19.000 Euro von ihrem Privatgeld – und weil er das angeblich nie zurückgezahlt hat, klagt die Staatsanwältin nun auch schweren Betrug an.

Verteidiger Gerald Ruhri stellte das Geld als Erfolgshonorar dar, und dass der Verkauf geglückt ist, lasse sich nicht bestreiten. „War Ihnen der Erfolg 700.000 Euro wert?“, fragte die Richterin die Zeugin. „In der Form nicht, weil er mir nicht die Wahrheit gesagt hat“, lautete die Antwort. „Warum haben Sie sich als Geschädigte gefühlt?“, interessierte den Verteidiger. „Weil er eine manipulative Art hat“, gab die Frau zu Protokoll. (APA)