Letztes Update am Fr, 13.10.2017 06:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Kaiserjägermusik: Ex-Kassier mit krimineller Geltungssucht

Nach der Veruntreuung von 285.597 Euro muss ein Oberländer Buchhalter zwar nicht in Haft, jedoch um seine weitere Existenz bangen.

© Thomas BöhmSymbolfoto.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein zumindest brav aussehender Buchhalter nahm gestern am Landesgericht vor Strafrichter Josef Geisler und Schöffen Platz. Bislang völlig unbescholten, hatte der 41-Jährige als Ex-Kassier der Tiroler Kaiserjägermusik für einen Skandal gesorgt. Durch die Anweisung von 24.130 Euro an den Verein hatte der Oberländer den Musikanten nämlich einen Auftritt in Moskau ermöglicht. Schönheitsfehler: Das Geld war veruntreut.

Über zweieinhalb Jahre hatte der 41-Jährige nämlich das Vertrauen seines Dienstgebers – einer großen Oberländer Firma – insofern massiv missbraucht, als er nicht weniger als 285.597 Euro von Firmenkonten auf private umgeleitet hatte. Kein Kurzschluss, keine Einzelaktion – es handelte sich um 33 Zugriffe.

Die Frage nach dem Warum stellte darauf nicht nur das Gericht. Laut Verteidiger Wolfgang Webhofer hatte sein Mandant jedenfalls nicht die goldene Rolex oder das schnelle Auto im Sinn. Dazu der Angeklagte: „Grund war einzig das Gefühl von Anerkennung. Schon die Familie hat mir nie etwas zugetraut. Privat trieb ich nie Luxus, habe nie tolle Urlaube gemacht, einzig in meine Weiterbildung habe ich Geld gesteckt. Aber auch dafür gab es nie Wertschätzung.“

Anders bei den Tiroler Kaiserjägermusik: „Der Verein war finanziell knapp aufgestellt, Sponsoren wurden gesucht. Da wurde mir dann nach meiner Zuwendung schon auf die Schultern geklopft – bist a toller Bursch, hieß es!“

Glück für den Fehlgeleiteten: Da der Schaden knapp unter 300.000 Euro blieb, betrug die Strafandrohung drei anstatt zehn Jahre Haft.

„Ich bin ein leidenschaftlicher Landwirt. Bitte lasst’s mir den Hof!“, ersuchte der Buchhalter abschließend weinerlich. Er begibt sich nun freiwillig in Psychotherapie.

Unbescholtenheit, Geständnis und teilweise erfolgte und der Wille zu künftiger Schadensgutmachung ergaben dann einen ausgewogenen Sanktionsmix, der den Oberländer noch die nächsten Jahrzehnte schlucken lassen wird.

So verhängte der Senat nicht rechtskräftig eineinhalb Jahre Haft und teilte diese in ein Jahr bedingte Haft und 1440 Euro Geldstrafe auf. Dazu muss er der Firma noch 124.068 Euro zurückzahlen. Das dicke Ende kommt jedoch zum Schluss: 148.198 Euro wurden für verfallen erklärt und gehen so zusätzlich an die Republik. Richter Geisler: „Wir haben da ein Urteil gefällt, durch das auch Ihre Ex-Firma noch einmal die Chance hat, das veruntreute Geld wiederzusehen!“