Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.10.2017


Kriminalität

Täglich grüßt der Internetbetrug in Tirol

Ob gefälschte E-Mails vom Chef oder Scherzanrufe wegen vermeintlicher Pizzabestellungen: Jeden Tag werden Tiroler Opfer von Betrugsmaschen – und fallen darauf herein.

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© iStockphoto



Von Marco Witting

Innsbruck – Dreimal war die Masche in den vergangenen zwei Wochen in Tirol erfolgreich. Eine E-Mail vom vermeintlichen Chef, der sofort eine Überweisung eines namhaften Betrags nach England anordnet. Und ein Mitarbeiter der Buchhaltung, der auf den Trick von Betrügern hereinfällt. „CEO-Fraud“ heißt der Trick in der Fachsprache und Hans-Peter Seewald von der Kriminalprävention im Landeskriminalamt sagt: „Das kommt momentan fast täglich vor. Wir haben wieder eine Welle mit dem Chef-Betrug in Tirol.“ Natürlich ist bei Weitem nicht jeder Betrugsversuch erfolgreich. Doch die Täter, die „sind wieder raffinierter geworden“.

Und so listet das Bundeskriminalamt (BKA) derzeit ein gutes Dutzend laufende Betrugsmaschen auf seiner Homepage. Da ist die Benachrichtigung über einen angeblichen Lottogewinn genauso dabei wie vorgetäuschte Liebe auf einer Datingplattform. So genannte Cybercrime-Straftate­n stiegen im Jahr 2016 um 30,9 Prozent. Die Zahl der Anzeigen stieg damit auf 13.103 in Österreich. Wobei man bei den Kriminalitätsformen zwei große Unterschiede macht. Denn Cybercrime, also die Internetkriminalität, im engeren Sinne erfasst Straftaten, die an IT-System oder Daten begangen werden. Der andere Bereich ist jener, bei der das Internet als Kommunikationsplattform genutzt wird und sozusagen zum Tatort wird, wie Sprecher Vincenz Kriegs-Au vom BKA erklärt. „Das ist ein Bereich, der jeden Tag wächst.“ Die Aufklärungsquote ist gering und liegt gerade einmal bei 18 Prozent. Das ist vor allem der globalen Streuung von Tätern, Servern und den Geldflüssen geschuldet.

Doch warum kann eine Überweisung nach England nicht einfach zurückgeholt werden? Seewald: „Das Geld wird binnen kürzester Zeit mehrfach weitergeleitet, bis es nicht mehr nachverfolgbar ist. Oft laufen die Gelder auch über Konten von Finanzagenten, die selbst nichts vom Betrug wissen.“

Was kann man also tun, damit die Betrüger nicht erfolgreich sind? „Oft ist das Bewusstsein nicht da. Wenn der Chef beispielsweise eine solche schnelle Überweisung anfordert, dann sollte sich der Buchhalter entweder telefonisch oder noch besser persönlich rückversichern“, sagt der Ermittler. Die Täter würden oft bewusst mit dem Zeitdruck arbeiten, um den Mitarbeiter zu verunsichern. Schnell sind dann aber mehrere zehntausend Euro weg. „Wenn es öfter Kommunikation mit dem Chef gibt, kann man auch auf den Schreibstil schauen oder die Anrede, aber das gibt keine hundertprozentige Sicherheit.“

Aktuell laufen in Tirol noch andere Betrugsmaschen, wie Seewald berichtet. Unter anderem werde im Moment häufig versucht, so genannte Bitcoin-Codes in Trafiken oder Tankstellen herauszulocken. Und es gab in jüngerer Vergangenheit mehrere Meldungen über so genannte Scherzanrufe, die vorerst zwar keinen finanziellen Schaden anrichten können, aber für die Betroffenen unangenehm sind. „Dabei ruft eine Computer­stimme an und vermittelt beim Opfer den Eindruck, es hätte eine Pizz­a bestellt, obwohl es das gar nicht hat. Auf die Reaktionen des Opfers reagiert die Stimme mit immer neuen Fragen, mit dem Ziel, dass das Opfer die Fassung verliert“, erklärt Seewald. Das daraus resultierende Tonband wird dann herumgeschickt und soll das Opfer lächerlich machen. Seewald: „Diese Dinge kommen in Wellen. Ganz wichtig ist es, eine gewisse Vorsicht walten zu lassen.“




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