Letztes Update am Do, 12.10.2017 17:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Justiz und Kriminalität

Pädophilie: Vatikan will Diplomaten nicht an Kanada ausliefern

Ein Geistlicher muss sich wegen der Verbreitung von Kinderpornografie vor einem vatikanischen Gericht verantworten. Eine Auslieferung an Kanada lehnt der Vatikan ab.

© APA/Hochmuth(Symbolfoto)



Vatikanstadt, Ottawa – Der Vatikan lehnt die Auslieferung eines vatikanischen Diplomaten an die kanadische Justiz wegen Verbreitung von Kinderpornografie ab. Der Geistliche, ein ranghoher Mitarbeiter der Botschaft des Heiligen Stuhls in Washington, soll sich vor einem Gericht im Vatikan verantworten, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA.

Laut dem Vatikan genieße der Geistliche wegen seines Amtes diplomatische Immunität, daher könne er nicht ausgeliefert werden. Der Vatikan habe zudem Kanadas Haftbefehl für den Diplomaten noch nicht erhalten. Der Geistliche befindet sich zurzeit im Vatikan und soll hier bis zum Prozess bleiben, verlautete es aus dem Vatikan. Er wird beschuldigt, in Windsor im kanadischen Bundesstaat Ontario kinderpornografisches Material über einen kirchlichen Rechner heruntergeladen und verbreitet zu haben.

Beschuldigter ist nicht inhaftiert

Laut den kanadischen Ermittlern ereignete sich die Straftat zwischen dem 24. und 27. Dezember vergangenen Jahres. Die Polizeimitteilung nannte im Unterschied zum Vatikan den vollen Namen des Diplomaten, einem 50-jährigen Italiener. Die kanadische Diözese London bestätigte Medienberichten zufolge den Verdacht, dass eine kirchliche Rechneradresse für einen Verstoß gegen Kinderschutzbestimmungen benutzt worden sei.

Der Vatikan hatte am 15. September mitgeteilt, man habe nach einem Hinweis des US-Außenministeriums strafrechtliche Ermittlungen gegen einen diplomatischen Mitarbeiter aufgenommen. Der Beschuldigte wohnt nach Medieninformationen inzwischen am Sitz des Vatikan-Gerichts, ist aber nicht inhaftiert. Das vatikanische Strafrecht sieht für die Verbreitung von Kinderpornografie zwischen einem und fünf Jahren Haft und eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro vor. (APA)