Letztes Update am Di, 05.12.2017 15:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Wertvolle Schoko-Fracht: Kriminelle zocken Transporteure ab

Ein Kundler Unternehmen vermisst zwei Lkw mit 66 Paletten Schokolade, der Schaden liegt im sechsstelligen Bereich. Offenbar aber kein Einzelfall – gerade jetzt in der Weihnachtszeit.

© dpa(Symbolfoto)



Von Renate Perktold

Kundl/Innsbruck – 66 Paletten Schokolade, die von Vorarlberg nach Belgien geliefert werden sollten – einfach verschwunden. Zwei volle Lkw-Ladungen wurden Ende November offenbar von Kriminellen erbeutet. Der Schaden geht in die Millionenhöhe. Schon vor fünf Jahren gab es im selben Zeitraum einen sehr ähnlich gelagerten Fall: Damals zeigte ein Kundler Unternehmen den Verlust der Lieferung von 18 Tonnen Schokolade an. Auch in diesem Fall war ein Subunternehmen engagiert worden, die Ware hätte nach Tschechien gehen sollen, kam aber nie an. Die Diebstähle bereiten nicht nur in Kundl Kopfzerbrechen. Auch in der Branche macht man sich Gedanken.

„Jedes Jahr vor Weihnachten kann man das beobachten: Die Firmen haben einen Riesendruck, die Anfrage gerade nach Schokolade ist groß und entsprechend fahren auch die Lkw. Organisierte Banden machen sich das zunutze, sie wissen genau, wo sie die Hebel ansetzen müssen“, weiß Ulf Schmid, stellvertretender Fachgruppenobmann für Güterbeförderung der Wirtschaftskammer Tirol und Vertreter für den Bereich Fernverkehr.

Gerade auf Weihnachtsmärkten würden entsprechende Abnehmer zu finden sein, schildert Schmid. „Da steckt ja Strategie dahinter, es handelt sich meist um Produkte, die man in einem bestimmten Zeitraum, wie eben Weihnachten, schnell an den Mann bringen kann“, schildert der Experte.

Unternehmen, die ihre Ware von einem Transportpartner ausliefern lassen, gehen oft ein Risiko ein. Die Banden machen sich zunutze, dass der Auftragsdruck manche Unternehmen dazu zwingt, Aufträge an Subunternehmen weiterzugeben. Es kommt auch vor, dass diese wiederum Sub-Sub-Unternehmen verpflichten. „Eigentlich ist die Weitergabe sehr streng geregelt, aber wenn ein Partner Aufträge weitergibt, kann man das auch als zertifiziertes Unternehmen nicht immer kontrollieren“, so Schmid. Gleichzeitig betont er allerdings, dass derartige Diebstähle nicht sehr oft vorkommen. „Gemessen an den Mengen, die jeden Tag in der EU transportiert werden, ist die Häufigkeit dieser Fällen nicht der Rede wert.“